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20. August 2014

ALS Ice Bucket Challenge: Verwässertes Internet-Meme

 Von 
Lassen sich eine große Tonne Eiswasser übergießen: die Profi-Golfer Justin Rose und Brandt Snedeker.  Foto: AFP

Die "ALS Ice Bucket Challenge" schwappt aus den USA nach Deutschland, zahlreiche Prominente beteiligen sich. Doch ohne den Hinweis auf den ernsten Hintergrund und die Krankheit ALS ist die Eiskübel-Aktion nur ein weiteres Internet-Meme, das ausgenutzt wird, um sich selbst ins Gespräch zu bringen. Ein Kommentar.

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Die „ALS Ice Bucket Challenge“ ist zur Zeit in aller Munde, denn schließlich kippen sich immer mehr halbwegs prominente Personen kübelweise Eiswasser über den Kopf und nominieren andere – ebenfalls mehr oder weniger prominente – Menschen, es ihnen nachzutun. Leider fällt bei vielen dieser Prominenten der wichtigste Teil der „Challenge“ weg: der Hinweis auf die Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS). Zu Beginn des viralen Aufstiegs der „Ice Bucket Challenge“ bekam derjenige, der sich der Eiseimer-Herausforderung nicht stellen wollte, einen Ausweg geboten: Man konnte alternativ 100 Dollar an die ALS Association (ALSA) spenden, eine Organisation, die gegen die tödliche Krankheit kämpft und sich für die erkrankten Menschen einsetzt.

Doch irgendwo auf dem viralen Weg ging diese Information verloren. Mittlerweile schwappt die Eiskübel-Welle weiter, ohne dass noch großartig auf diesen ernsten Hintergrund hingewiesen wird. Bei der aktuellen Flut an Eiswasser in sozialen Netzwerken bekommt man den Eindruck, es werde nur noch Wasser geschüttet, um sich ins Gespräch zu bringen. Dabei hätte es eine weitgehend unbekannte aber tödliche Krankheit wie ALS nötig, dass sie bekannter gemacht wird, und einem Prominenten würde es sicher nicht schaden, kurz auf den Hintergrund der Aktion hinzuweisen - wenn er ihn denn selbst kennt.

Zwar sind laut ALSA vom 29. Juli bis 19. August 22,9 Millionen Dollar an Spenden eingegangen (im Vorjahreszeitraum waren es im gleichen Zeitraum nur 1,9 Millionen Dollar). Doch gerade im deutschsprachigen Raum verbreitet sich die „Ice Bucket Challenge“ größtenteils ohne den Hinweis auf ALS und die Spendemöglichkeit. So wird aus einer Idee, die eine ernste Angelegenheit humorvoll verpackt, ein verwässertes Internet-Phänomen, das von vielen letzten Endes nur ausgenutzt wird, um sich selbst in Szene setzen.

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