kalaydo.de Anzeigen

Gastbeitrag: Altersarmut wird zum Frauenproblem

Wer nicht genug verdient, wird auch im Alter auf niedrigem Niveau leben. Das trifft vor allem Frauen. Die müssen endlich heraus aus der Zuverdienerrolle.

Das Thema Altersarmut gehört auf die Spitze der Agenda. Foto: dpa

Altersarmut in Deutschland? Bei uns doch nicht. Sagt zumindest das Sozialministerium und sieht offenbar auch dann keinen Anlass zur Sorge, wenn schon jetzt immer mehr Rentner und Rentnerinnen sich mit einem Minijob über Wasser halten müssen.

Politisch steht das Thema bislang jedenfalls nicht sehr weit oben auf der Agenda. Da gehörte es aber hin. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen wird in der ersten Septemberwoche mit Rentenversicherung, Arbeitgebern und Gewerkschaften in den „Regierungsdialog Rente“ treten. Bleibt zu hoffen, dass in all diesen Gesprächen ein dramatisches Phänomen nicht unter den Tisch fällt: Dass nämlich Armut im Alter vor allem ein Frauenproblem ist.

Die Masse der Minijobberinnen

Obwohl immer mehr Frauen erwerbstätig sind, ist das längst keine Garantie für eine ausreichende Existenzsicherung. Die Verknappung von existenzsichernder Arbeit drängt Frauen in prekäre Beschäftigungsverhältnisse. Zwei Drittel der im Niedriglohnsektor Beschäftigten (und der Minijobber) sind Frauen – und das obwohl sie nur etwa 40 Prozent aller Erwerbstätigen stellen. Das Ehegattensplitting und das starke Gefälle in der Kombination der Lohnsteuerkarten III undV tun das Ihrige, um die Rolle der Frau als Zuverdienerin zu verfestigen.

Es ist eine Binsenweisheit: Wer im Laufe des Lebens nicht genug für die eigene Existenzsicherung verdienen kann, wird auch im Alter auf niedrigstem Niveau leben müssen. Das gilt vor allem für Frauen. Im Westen fällt die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern mit 35 Prozent exorbitant hoch aus. Dass sie im Osten nur bei 16 Prozent liegt, ist vor allem der höheren Frauenerwerbstätigkeit in der damaligen DDR geschuldet. Das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) hat die Rentenlücke der gut 20 Millionen zwischen 1937 und 1971 geborenen Frauen zuletzt auf eine Billion Euro beziffert. Soweit die Diagnose.

1 von 2
Nächste Seite »
Autor:  Christel Humme
Datum:  1 | 9 | 2011
Seiten:  1 2
Kommentare:  11
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


Sonderthema
Protest in Libyen.

Tunesien, Ägypten, Libyen, Algerien, Jemen - das Volk wagt den Aufstand gegen die Autokraten. Einige sind gefallen, andere bekämpfen die Revolutionäre bis aufs Blut.

Spezial
Die Gegner von S 21 freuen sich über den Etappensieg.

Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.

Anzeige

In eigener Sache

FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.

Video
Fotostrecke
Plaßmanns Welt (295 Bilder)
Spezial

Bespitzelung von Beschäftigten, Datenklau, Elena, Swift - Was passiert mit unseren Daten?

Anzeige

 
Quiz
Wissens-Test.

Politik, Sport, Wirtschaft - wie gut sind Sie informiert? Machen Sie den Test mit dem unterhaltsamen Tagesquiz.

Fotostrecke
Plaßmanns Klima (19 Bilder)
Quiz
Der zurückgetretene Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg holt seine Entlassungspapiere im Schloss Bellevue ab (03.03.2011).

Guttenberg hatte einen guten Grund. Aber weshalb sind Horst Köhler oder Richard Nixon abgetreten?

Revolte

Protest und Party, Revolte - aber keine Revolution: 1968 hat die Gesellschaft nachhaltig verändert.