Fünf Milliarden Euro für die Abwrackprämie. Milliardenbürgschaften für Opel. Nun also - in absehbarer Zukunft - noch ein paar Steuer-Milliarden für Elektroautos obendrauf? Als umweltbewusste Radlerin, als treuer Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs, als bekennender Fußgänger möchte man auf die Barrikaden gehen.
Wie da derzeit den Autobauern die Geldscheine nur so in den Rachen geschoben werden! Staatliche Generosität scheint grenzenlos, wenn es darum geht, einer Branche unter die Räder zu greifen, die sich ihre ökonomische Misere durch ökologische Schlafmützigkeit zum Teil selbst eingebrockt hat.
Keinen zusätzlichen Cent möchte man deshalb den Autokonzernen zustecken - und wird es für die Markteinführung der Elektromobile jetzt trotzdem müssen, im eigenen Interesse. Die Vision vom Auto, das Strom tankt und dabei die Potenziale der Erneuerbaren Energien clever nutzt, das leise ist und sauber und für zwei Euro eine Tank- beziehungsweise Batteriefüllung bekommt, ist faszinierend.
Die Zukunftstechnologie würde nicht nur dem von CO2-Abgasen geschädigten Klima nutzen, die schon jetzt zu 13 Prozent aus dem Verkehrssektor stammen. Elektro-Autos könnten auch die Lebensqualität unserer Städte grundlegend verbessern. Die Revolutionierung der Mobilität wird teuer; sie verlangt auch von Kunden völliges Umdenken über PS-Stärken und satte Marken-Sounds. Sie kann auf ungeahnte Hürden stoßen. Sie kann sogar schief gehen - wie viele Revolutionen. Aber man darf sie nicht an sich vorbeiziehen lassen.
Erfolgsbeispiel Erneuerbare Energien
Über eine Frage ist nicht nur die Bundesregierung bei ihrem Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität uneins, es sind auch die Umweltverbände. Soll der Staat die Batterie-Autos mit Kaufprämien fördern und damit einseitig einer Technologie auf die Sprünge helfen? Muss man potenziellen Elektroauto-Käufern erst eine Möhre hinhalten, damit sich der Autobauer in Trab setzt?
Es ist ein müßiger Streit, der da ausgefochten wird. Denn es geht nicht mehr darum, ob Deutschland den Kauf von E-Mobilen belohnt, sondern wann und wie. Exportweltmeister Germany ist längst von Staaten umzingelt, die mit Prämien bis zu 10.000 Euro die hohen Anschaffungskosten der E-Autos versüßen. Wenn Deutschland nicht dem Zug hinterherhumpeln will, bleibt kaum anderes, als mit Lockprämien aufs Tempo zu drücken. Hätte die Koalition nicht gerade mit der Abwrackprämie aus ökologischer Sicht falsch gehandelt, würde sie womöglich schon jetzt mit dem Elektro-Bonus winken.
Nun aber ist bis 2012 Zeit verschenkt und der Markt für Elektro-Autos, die zuerst als städtische Kleinwagen praxistauglich wären, durch die Abwrackerei leer gefegt. Dennoch können Marktanreize für Umwelttechnik unverzichtbar sein. Das Erfolgsbeispiel Erneuerbare Energien zeigt es. Der Staat kann einen Anschub finanzieren, aber nicht auf Dauer subventionieren. Und es braucht einen klugen Technologie-Mix.
Der Traum vom Stromauto darf deshalb nicht über fossile Realität hinwegtäuschen. Elektro ist Zukunftsmusik. Der Gegenwartssound ist Benzin. Selbst wenn 2020 eine Million E-Mobile auf den Straßen führen, wären das gerade mal zwei Prozent des Verkehrs. Für den Klimaschutz braucht die Mehrheit vor allem Anreize zum Spritsparen. Ein schwieriger Spagat für eine künftige Regierung: Sie müsste das eine tun, ohne das andere zu lassen.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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