Dass meine Äußerungen jemanden verletzt haben, tut mir leid: Piusbruder Richard Williamson bemüht den Klassiker der vermeintlich gesichtswahrenden Entschuldigung.
Im politischen Alltag heißt es danach dann oft: Die Sache ist damit abgehakt, wenigstens hat er guten Willen gezeigt. Schwamm drüber, also? Im Gegenteil. Die Erklärung von Holocaust-Leugner Williamsons ist eine absolute Provokation. Diese Frechheit eines Unbelehrbaren macht nichts besser, sondern alles nur noch schlimmer.
Williamson beginnt seine Erklärung schon mit einer glatten Lüge: Der Papst habe ihn gebeten, seine Aussagen zum Holocaust "neu zu überdenken". Hatte er nicht. Benedikt XVI. verlangte eine "unmissverständliche Distanzierung", also einen Widerruf der Aussagen zum Massenmord an den Juden.
Und der Brite fährt fort, der Schaden "besonders der Kirche" habe ihn zu seiner Erklärung bewogen. Damit macht der Traditionalisten-Bischof deutlich, dass ihm die Opfer des Holocaust eigentlich völlig egal sind. Sie müssen sich ein zweites Mal verhöhnt fühlen, wenn er von "Opfern der Ungerechtigkeit" spricht.
Aber es kommt noch übler. Williamson rechtfertigt seine Holocaust-Leugnung damit, er sei historisch möglicherweise nicht auf dem neuesten Stand. Seine Meinung habe sich auf Grundlage der vor 20 Jahren "verfügbaren Beweise" gebildet.
Wie bitte? Es hat "Beweise" dafür gegeben, dass es die Vernichtung der Juden nicht gab? Dass es keine Gaskammern gab? Und das vor zwei Jahrzehnten, also im Jahr 1989? Ob er heute schlauer ist, selbst das lässt der unheilige Bischof offen. Nur dass er "Schwierigkeiten" verursacht hat, das weiß er heute.
Spätestens hier stellt sich die Frage: Warum macht der so etwas? Glaubt Williamson wirklich, dass irgend jemand darin einen Widerruf erkennen kann? Nein, hier schreibt ein von seinen konservativen Genossen Getriebener, kein Reuiger.
Williamson hat ein geschlossen rechtes Weltbild, das haben seine zahlreichen Äußerungen in der Vergangenheit gezeigt - es gibt also viel, was er widerrufen könnte. In Rechtsextremen-Kreisen müsste er sich nicht ganz verloren vorkommen.
In seiner Gemeinschaft ist er mit seinen Einstellungen sicher ebenfalls nicht allein. Aber die will jetzt unbedingt zurück in den Schoß der katholischen Kirche, da muss man eben Kreide fressen.
Die Erklärung Williamsons sollte für den Papst endlich der Anlass sein, Konsequenzen zu ziehen. Sie als "unzureichend" zu bezeichnen, wie es der Vatikan getan hat, zeugt noch von zu viel Zurückhaltung.
Benedikt hat einen Widerruf gefordert, und Williamson streckt ihm und der Welt die Zunge heraus. Der Vatikan muss jetzt die Rücknahme der Exkommunikation aufheben, um halbwegs glaubwürdig zu sein. Die Zeit heilt diese Wunde nicht. Der Papst hat ohnehin zu lange gezögert. Schon die Forderung nach einem Widerruf war ein Fehler, weil dieser immer unglaubwürdig sein musste.
Die Kurie sollte nun generell ihren Kurs gegenüber den Rechtsauslegern überdenken. Die Piusbruderschaft will nichts mit dem, was katholische Kirche heute ausmacht, zu schaffen haben. Sie versucht derzeit lediglich aus taktischen Gründen, ihre rechten Ecken zu verdecken. Dieser Gruppe sollte der Papst nicht hinterherlaufen.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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