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Analyse: Die Hüter der Krone - einsam

Dänen und Schweden fühlen sich als Außenseiter zunehmend unwohl. Ohne Euro zählen sie nicht mit, werden nicht gefragt in Krisenrunden. Von Hannes Gamillscheg

Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten wecken in Dänemark und Schweden Sehnsüchte nach dem Euro. "Erstmals kann die Bevölkerung nun sehen, dass das Nein Konsequenzen hat", sagt der dänische Premier Anders Fogh Rasmussen und stellt ein neues Referendum über die Gemeinschaftswährung in Aussicht. Dass es "in unsicheren Zeiten" beruhigender wäre, zu den Euro-Ländern zu zählen, hat auch sein schwedischer Kollege Fredrik Reinfeldt erkannt, nachdem die schwedische Krone stark unter Druck gekommen ist und kurzzeitig erstmals unter die Marke von 10 Cent rutschte.

Das sind neue Töne in Skandinavien. Als die dänischen und schwedischen Wähler in Volksabstimmungen 2000 und 2003 den Euro abgelehnt hatten, bewahrheiteten sich die düsteren Prognosen, die die Euro-Anhänger damals ausmalten, nicht. Im Gegenteil: Bei Wachstum, Arbeitslosigkeit und Inflation standen die Skandinavier lange besser da als die Länder des Euro-Raums, und dass das Zinsniveau minimal höher war als das der Europäischen Zentralbank, erschien den meisten als geringe Prämie für die währungspolitische Selbstständigkeit. Doch nun klafft die Zins-Schere: Während die Europäische Zentralbank den Leitzinssatz auf 3,75 Prozent absenkte, musste die Nationalbank in Kopenhagen den ihrigen auf fünf Prozent anheben, um Angriffe auf die Dänenkrone abzuwehren. Für den durchschnittlichen Hausbesitzer macht das ein paar tausend Kronen mehr an monatlichen Ausgaben.

Hinzu kommt der "Verlust politischen Einflusses", wie Rasmussen sagt: "Als sich die 15 Euro-Länder in Paris trafen, wäre ich auch gern dabei gewesen." Doch als Außenseiter war er nicht geladen, und so mussten er und Reinfeldt ein paar Tage später in Brüssel abnicken, worauf sich die anderen geeinigt hatten. "Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis", sagt der dänische Premier, "aber wir hätten es gern mitbestimmt." Angesichts der Finanzkrise fürchten die Skandinavier, dass das Beispiel Schule macht und mehr und mehr auch politische Entscheidungen in der Euro-Runde getroffen werden. Ohne sie.

"Unser Außenseiterstatus ist schädlich", meint Rasmussen, und er plant schon lange, ihn zu beenden. Sein Drehbuch sah eigentlich ein Referendum über die dänischen Vorbehalte in der Verteidigungs- und Justizpolitik schon in diesem Herbst vor, dem dann eine neue Euro-Abstimmung im kommenden Jahr hätte folgen sollen. Das Nein der Iren zum Lissabon-Vertrag hat diesen Fahrplan ungültig gemacht. Erst wenn das "irische Problem" gelöst ist, kann das dänische angegangen werden, wobei der Euro nun Vorrang bekommen könnte. "Noch in dieser Legislaturperiode" will Rasmussen die Dänen über die Gemeinschaftswährung abstimmen lassen. Das hieße vermutlich 2010, vielleicht auch schon im nächsten Jahr. Ein dänisches Ja könnte auch Schweden beeinflussen, glaubt Reinfeldt: "Wir beobachten mit großem Interesse, was dort passiert."

Ein "Blitzvotum" über den Euro werde es allerdings nicht geben, stellt Rasmussen klar. Er will sich nicht dem Vorwurf aussetzen, die Krise auszunützen. Einstweilen gibt er sich damit zufrieden, dass die Turbulenzen "allen vor Augen geführt haben, dass es kostet, wenn man draußen steht."

Autor:  HANNES GAMILLSCHEG
Datum:  20 | 10 | 2008
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