Wenn Steve Jobs und seine Computerfirma Apple am Mittwoch das neueste Produkt ihrer elektronischen Fabrikation an den Start bringen, geschieht das erneut nach dem Muster eines technologischen Advents. Wer sich aufs Geschäft versteht, der weiß erhebliche Energien dafür aufzuwenden, seine Ware mit quasireligiösen Reserven auszustatten. Das Prinzip Fetisch scheint wieder aufzugehen. Seit Wochen raunt die Szene darüber, was es wohl werden wird. Es handelt sich, so viel weiß man, um ein sogenanntes Tablet, einen multimedialen Alleskönner in der Größenordnung zwischen iPhone und Laptop, der all deren Funktionen, und noch viel mehr, auf sein kleines Dasein herunterlädt.
Mehr als andere Produkte scheinen elektronische Allzweckwaffen wie Smartphones und Netbooks die Phase des schnöden Gebrauchs und der Anwendung zu überspringen. Ein Übriges tut dazu die Entdeckung der taktilen Fähigkeiten als Ausdruck magischer Leichtigkeit. App, Wisch und Wusch ist das neue Drin.
Wer seinen Alltag mit elektronischen Hilfen ausgestattet hat, der weiß in der Regel um deren Grenzen. Man hat gelernt, sich mit diesem und jenem zu arrangieren und quält sich den Rest der Zeit, so gut es geht, mit der schrumpfenden Schriftgröße der Bedienungsanleitung. Nicht davon zu reden, dass die traumwandlerisch einfache Welt des "plug and play" immer noch sehr viel Mühe und Unverständliches bereithält.
Das neue Tablet verspricht denn auch gar nicht die Lösung der meisten Probleme. Es lädt vielmehr ein, mit dabei zu sein, wenn die übernächsten Probleme und andere große Fragen aufgeworfen werden. Apple führt derzeit beispielsweise Gespräche mit Zeitungen und Nachrichten-Netzwerken darüber, wie eine Kooperation aussehen könnte. Für die Branche, die mit gedruckten Inhalten handelt, knüpfen sich Hoffnungen daran, dass mit den elektronischen Neuerungen die Kulturtechnik Lesen in ein digitales Zeitalter gerettet werden kann. Der kulturkritischen Skepsis steht also die Aussicht auf einen bemerkenswerten kulturellen Transfer gegenüber.
Apples Jüngster hat noch nicht alles auf Lager, aber weitere Optionen sind vorinstalliert. Wer sich in die Nutzergemeinschaft einkauft, macht sich so zum Mitglied einer globalen Forschungsgesellschaft. Auf den Märkten von heute kauft man nicht mehr nur eine Ware mit Gebrauchswert. Elektronischer Konsum verheißt eine nahezu alles umfassende soziale Inklusion.
Dieses Wir-Gefühl der iSociety ist es allerdings auch, dass bloßes Wegbleiben nahezu unmöglich macht. Wer darauf beharrt, ein Gerätemuffel zu bleiben, streicht vielleicht ein paar Sympathiepunkte für seine Kauzigkeit ein. Als satisfaktionsfähiges Mitglied einer Gemeinschaft, die auf vielfältige Formen der Kommunikation setzt, geht er kaum mehr durch.
Dabei haben die Entwickler viel unternommen, dass jeder mit von der Partie sein kann. Apples Tablet soll so gestaltet sein, dass es mit Partner oder Kollege zu teilen ist. Mittels eingebauter Kamera kann ein Nutzer erkannt, können somit dessen persönliche Einstellungen geladen werden. Kritische Geister denken an Big Brother. Die kleinen technischen Helfer bieten tatsächlich viele Möglichkeiten. Manche sind so naheliegend wie gespenstisch, als dass sie einen bösen Verdacht zerstreuen könnten.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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