Markus Söder möchte gern Ministerpräsident in München werden. Verständlicher Wunsch für einen bayerischen Landespolitiker. Aber muss der ehemalige CSU-Generalsekretär deshalb die Parteifreunde und die Regierungskoalition in Berlin dauernd mit seinen gesundheitspolitischen Extratouren nerven? Muss er! Denn die Fähigkeit, dem Rest der Republik gehörig auf den Wecker zu gehen, zählt von alters her zu den zentralen Ausschreibungsbedingungen für die Planstelle des obersten Bajuwaren.
Zählt oder zählte? Bei der letzten Landtagswahl hat die weiland bayerische Beinahe-Staatspartei einen ordentlichen Dämpfer bekommen. Das vormals schier untrügliche Gespür für die Leut´ war der Führungsschicht abhandengekommen. Das brachte Horst Seehofer an die Macht. Der hat den Laden personalpolitisch mächtig durcheinandergewirbelt, eher die übernächste als jene Führungsgeneration promoviert, die sich für die nächste hielt.
Aber zweierlei hat er nicht geändert: die christsoziale Staatsdoktrin des bayerischen Regionalegoismus und die krachlederne Art, ihn zu vertreten. Seehofer eifert darin dem Hausheiligen Franz Josef Strauß nach, und Söder ist sein gelehriger Geselle. Die Alternative Nummer eins hat derzeit (jedenfalls für ihn selbst) Wichtigeres zu tun. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist mit Selbstverteidigung beschäftigt.
Er schien am ehesten in der Lage, mindestens den Stil der bayerischen Politik zu verändern. So bleibt die ganze Last dieser Aufgabe am Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe hängen: Hans-Peter Friedrich. Der dient schon länger im CSU-Establishment und fiel nicht sonderlich auf, weil er einfach ruhig seine Arbeit machte.
Mit dieser stupenden Sachlichkeit ist der neue Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag das personifizierte Alternativprogramm zu den Aufgeregtheitspolitikern aus München. Friedrich vertritt die avantgardistische Auffassung, dass es besser für die CSU sei, gemeinsam mit den anderen Regierungsparteien tatsächlich etwas zu erreichen, als darüber zu schwadronieren, was die CSU erreichen möchte. Und siehe da, unter seiner Führung zeigt sich, dass es unter den bayerischen CSU-Bundestagsabgeordneten noch andere seines Schlages gibt. So fällt dann schon mal das öffentliche Bekenntnis, dass einer "die Schnauze voll" habe von Söder und den Söders dieser Welt.
2013 wird in Bayern wieder gewählt. Kurz vorher wird es zum Showdown (oder zum Kompromiss) kommen müssen zwischen Söder und Guttenberg. Zwischen einer Politik der alten Art mit etwas jüngeren Gesichtern und einer neuen Art bayerischer Interessenvertretung - falls Guttenberg seinen Untersuchungsausschuss überlebt. Erstens. Und zweitens: Wenn er den Smoking bis dahin nicht auch gegen die Lederhose eingetauscht hat.
Derlei Machtkämpfe zwischen Berlin (damals noch Bonn) und München hat es schon früher gegeben. Bundesfinanzminister Theo Waigel unterlag seinerzeit gegen Edmund Stoiber. Wie die Auseinandersetzung diesmal ausgeht? Schau´n wir mal. Mit einem aber ist auf jeden Fall zu rechnen. Bis dahin bleibt es schwer, in der bürgerlichen Regierungskoalition geräuscharm vernünftige Kompromisse zu erarbeiten. Und falls die CSU mal ausfallen sollte, gibt es für die Rolle des Störenfrieds bekanntlich noch eine Zweitbesetzung.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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