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Analyse: Kabale und Hiebe im Kosovo

Tagelang hat die Geheimdienstposse den BND in Atem gehalten, die Beziehungen zwischen Berlin und Pristina sind nun erst mal belastet. Von Steffen Hebestreit

Steffen Hebestreit ist Autor der Dumont-Redaktionsgemeinschaft.
Steffen Hebestreit ist Autor der Dumont-Redaktionsgemeinschaft.
Foto: FR

Was auch immer die kosovarischen Behörden bewogen haben mag, die drei deutschen BND-Beamten des Sprengstoffanschlags auf eine EU-Einrichtung zu bezichtigen, handfeste Beweise können es nicht gewesen sein. Kleinlaut musste die Regierung in Pristina zuletzt eingestehen, dass "Untersuchungen" ergeben hätten, dass das deutsche Trio rein gar nichts mit dem Anschlag zu tun gehabt hat.

Nach zehn Tagen Kabale und Hiebe im Kosovo sind die Beziehungen zwischen der jungen Balkanrepublik und Deutschland schwer belastet. Von "unmenschlichen Haftbedingungen" sprach der Bundestag und verlangte, die drei Deutschen "unverzüglich" freizulassen. Unverzüglich heiße, so ließ die Regierung erklären, nicht erst in ein paar Tagen. Erst am Freitagabend kam das Gericht in Pristina nach langen Beratungen dieser Forderung nach und ordnete die sofortige Freilassung der Deutschen an.

Der Vorwurf gegen die Deutschen war schon "einigermaßen ungewöhnlich", wie es in der Regierung heißt. Nach einem Sprengstoffanschlag auf ein EU-Büro werden Tage später drei deutsche Geheimagenten festgenommen und vor laufenden Kameras der Weltöffentlichkeit präsentiert. Von Videobändern wird gemunkelt, auf denen der Attentäter klar zu erkennen gewesen sei. Von der Observation des Trios vor, während und nach dem Anschlag. Von verdächtigen Skizzen und einer Tasche voller Sprengstoff. Nur beim Motiv wollte den Kosovaren nichts so recht einfallen. Zur Erinnerung: Nach den USA ist die Bundesrepublik der größte Geldgeber und internationaler Förderer des Kosovo. Mehr als 2500 deutsche Soldaten sorgen für so etwas wie Ordnung in der Balkanrepublik.

Genau hier vermuten Kenner ein mögliches Motiv für die jüngste Verwicklung. Der Bundesnachrichtendienst ist traditionell stark vertreten im Kosovo - und sprach in einer Analyse aus dem Jahr 2005 bereits von einem Tummelplatz der organisierten Kriminalität, mit Verbindungen bis hinauf in höchste Kreise. Selbst der Name des früheren UCK-Führers und heutigen Regierungschef Hashim Thaci wurde dabei mehrfach genannt.

Die aktuellen Vorbereitungen für die neue Eulex-Mission der Europäischen Union, die den Aufbau des dortigen Rechtsstaates voranbringen soll, mögen für zusätzliche Nervosität auf dem Balkan gesorgt haben. Viele Gruppen fürchten um ihre lukrativen dunklen Geschäfte.

So mag es manchen Kräften im Kosovo als schöne Gelegenheit erschienen sein, den deutschen Geheimdienst bloßzustellen und damit auch ein bisschen die Bundesregierung. Am Dienstag noch versprach Thaci in einem Telefonat mit Kanzleramtsminister Thomas de Maizière, er werde sich persönlich um die Angelegenheit kümmern. Unter Verweis auf die "unabhängige Justiz" in seinem Land sagte er später öffentlich, ihm seien die Hände gebunden.

Getrost ist davon auszugehen, dass Berlin den Druck auf Pristina enorm erhöht hat - schließlich war die Beweislage gegen die Deutschen denkbar dünn. Als kaum verhohlene Drohung war zu verstehen, dass die Regierung am Freitag ungefragt "Überlegungen" entgegentrat, die Finanzhilfen für den Kosovo an irgendwelche Bedingungen zu knüpfen. Solche Gedanken hatte bis dahin niemand geäußert.

Autor:  STEFFEN HEBESTREIT
Datum:  28 | 11 | 2008
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