Nach dem Fünftagekrieg in Georgien - so er tatsächlich beendet sein sollte - ist der Konflikt mitnichten erledigt. Das Hauptproblem ist auch nicht der Wiederaufbau der Städte und Dörfer - obwohl die Zerstörungen groß sind und viel Zeit und Geld nötig sein wird. Das Schwierigste ist die Antwort auf die Frage, wie es in Georgien weitergehen soll - militärisch und politisch.
Einfach ist es noch für das georgische Kernland: Russland muss jeden Quadratmeter wieder räumen. Doch der Friedensplan, den Nicholas Sarkozy am Dienstag im Kreml vorstellte, sieht auch in Südossetien und Abchasien den Rückzug russischer und georgischer Militärs auf ihre Vorkriegspositionen vor - eine möglicherweise berechtigte, doch unrealistische Forderung. Vor allem Russland wird sein Militär nicht wieder aus Abchasien und Südossetien abziehen. Doch dann steht Moskau vor schwierigen Entscheidungen: Soll es die Regionen annektieren und so den Westen weiter gegen sich aufbringen? Oder die Zwergstaaten als unabhängig anerkennen und damit Separatisten im eigenen Reich ermuntern?
Interaktive Grafik: Der Konflikt
Westliche Friedenspläne bestehen bisher auf der territorialen Unversehrtheit Georgiens samt Abchasiens und Südossetiens. Doch die Berechtigung Georgiens, diese Regionen in seinem Staatsgebiet zu verwalten, steht schon seit den blutigen Kriegen Anfang der 1990er Jahre in Frage. Es waren georgische Nationalisten, die den Konflikt schürten, nicht Südosseten oder Abchasen.
Bevor die internationale Gemeinschaft endgültig ihre Position für die Nachkriegszeit formuliert, muss sie nicht nur klären, wo und wie Russland in Georgien den Frieden gebrochen hat, sondern auch, was genau in Südossetien passiert ist. Es ist gewiss eine bittere Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet Russland jetzt beklagt, georgische Soldaten hätten in Südossetien wahllos bombardiert und wehrlose Zivilisten ermordet - also genau das getan, was Moskau in Tschetschenien durchexerzierte. Keines der angeblichen georgischen Kriegsverbrechen ist bewiesen - doch das heißt nicht, dass sie nicht stattgefunden haben.
Dringend sind unabhängige Untersuchungen erforderlich: von UN, OSZE, EU und Menschenrechtsorganisationen. Treffen die Vorwürfe über massive Kriegsverbrechen der Georgier zu, hat Tiflis seinen Anspruch auf die Rückkehr Südossetiens verwirkt - und Michail Saakaschwili muss gehen. Unabhängige Berichte sind auch unverzichtbar, um bei den Georgiern Mythenbildung und die Erhebung Saakaschwilis in den Rang eines Märtyrers zu verhindern.
Wie geht es mit Südossetien und Abchasien weiter? Sinnvoll wären ein UN-Mandat und eine internationale Friedenstruppe mit anschließendem Referendum unter Aufsicht. Nur haben solche Pläne angesichts des Moskauer Widerstands gegen Einmischung in seinem Einflussbereich keinerlei Chancen. Auch China würde solchen Plänen im UN-Sicherheitsrat nicht zustimmen, um keinen Präzedenzfall für sein eigenes Reich zu schaffen. Was ist die Alternative? Eine plausible Antwort fehlt bisher.
Und wie reagiert der Westen? Helfen etwa die USA Georgien beim Wiederaufbau seines Militärs und rufen so neuen Zorn Moskaus hervor oder lassen sie ihren Vasallen fallen? Ein Ende des Kriegs lässt aufatmen - doch es sorgt für viele Fragen und wenige Antworten.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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