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Analyse: Obamas Krieg

Die neue Afghanistan-Strategie des US-Präsidenten ist konsequent, aber risikoreich: Sollten die USA scheitern, trüge er eine Mitschuld daran. Von Steffen Hebestreit

Steffen Hebestreit ist Autor der Dumont-Redaktionsgemeinschaft.
Steffen Hebestreit ist Autor der Dumont-Redaktionsgemeinschaft.
Foto: FR

Der Ansatz klingt vertraut. Was US-Präsident Barack Obama an diesem Freitag in Washington als neue Afghanistan-Strategie vorgestellt hat, ist die konsequente Anwendung der Erfahrungen, die das US-Militär in den vergangenen drei Jahren im Irak gemacht hat, auf das Land am Hindukusch: 17 000 weitere Soldaten, dazu 4000 bestens geschulte Ausbilder für Armee und Polizei. Die Regierungen in Afghanistan und im benachbarten Pakistan sollen mehr Geld erhalten, aber auch stärker in die Verantwortung genommen werden, um gegen Korruption, Drogenhandel und Warlords vorzugehen. Andere Mächte in der Region - von Russland und China über Saudi-Arabien, Indien bis hin zum Iran - sollen eine größere Rolle im Stabilisierungsprozess spielen.

Mit seinem Strategiewechsel hat Barack Obama den Afghanistan-Krieg damit zur Chefsache gemacht. Einen Krieg, der in den USA bislang längst nicht so in der öffentlichen Debatte präsent war wie sein großer Bruder, der Irak-Konflikt. Gleichwohl teilen beide Kampfeinsätze ein Schicksal: in der Heimat sind sie furchtbar unpopulär.

Wenn die Berater des neuen Präsidenten nun verkünden, Obama habe eine Wende eingeleitet in einem von der Bush-Regierung vernachlässigten, unterfinanzierten und ziellos geführten Konflikt, verschweigen sie ein Risiko: Fortan werden Sieg oder Niederlage am Hindukusch nicht allein mit dem Namen Bush verbunden werden, sondern auch mit dem Obamas.

Mit Granaten, Geld und guten Worten will der neue Präsident den Sieg in Afghanistan erzwingen. Die zusätzlichen Truppen sollen die Sicherheit auch im ländlichen Raum wiederherstellen und den Einfluss der Aufständischen zurückdrängen. Gleichzeitig soll Pakistan die Rückzugsräume der Taliban im Grenzgebiet blockieren.

Und Obama will die Geheimgespräche, die im Moment in Riad mit so genannten gemäßigten Taliban geführt werden, nutzen, um jene Kräfte, die weniger aus religiösem Eifer als aus finanziellen Gründen gegen die Isaf-Truppen kämpfen, aus der Front der Aufständischen herauszubrechen.

So erfolgreich sich diese Strategie auch für den Irak erwiesen haben mag, so ist längst nicht gesagt, dass sie sich einfach auf die Bedingungen des Vielvölkerstaats Afghanistan mit seinen archaischen Stammesstrukturen übertragen lässt.

Der neue Präsident steht aber nicht nur unter Erfolgszwang, sondern auch unter einem gehörigen Zeitdruck. Die Geduld der US-Bürger mit dem "Abenteuer Afghanistan" ist im achten Kriegsjahr bald aufgebracht; ein, höchstens zwei Jahre Zeit bleiben, bis Obama echte Fortschritte vorweisen muss, um den hohen finanziellen wie personellen Einsatz in seiner Heimat zu rechtfertigen.

Deshalb wird der neue US-Präsident bei seiner Europareise nächste Woche die anderen Nato-Staaten, ganz sicher auch Deutschland, dazu "ermuntern", ihr Engagement am Hindukusch ebenfalls zu erhöhen. Lange haben die Isaf-Partner den schleppenden Fortschritt damit erklärt, dass die Vereinigten Staaten nur halbherzig am Hindukusch engagiert seien und ihr Augenmerk eher auf dem Irak liege. Nun richtet Washington seinen Blick auf Afghanistan - und Großbritannien, Frankreich, Deutschland und andere müssen beweisen, wie viel sie zur Konfliktlösung beizutragen bereit sind.

Autor:  STEFFEN HEBESTREIT
Datum:  28 | 3 | 2009
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US-Wahl 2012: Countdown für Obama

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl


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