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Analyse: Öl haftet an Pelikan und Präsident

Die Katastrophe im Golf von Mexiko könnte für BP die Pleite bedeuten. Und auch für Barack Obama könnte die Ölpest das werden, was Hurrikan Katrina für Bush war: der Anfang vom Ende. Von Joachim Wille

Joachim Wille ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.
Joachim Wille ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Es war eine virtuelle Katastrophe. Fast dachte man, sie kommt gar nicht mehr. Seit vier Wochen strömt Erdöl in gigantischen Mengen aus dem Bohrloch am Grund des Golfs von Mexiko, über dem einmal die Ölplattform Deepwater Horizon stand. Doch nun hat die Katastrophe die Küste erreicht - und damit endgültig auch die politische Spitze des Landes. Die Ölpest könnte für Präsident Obama werden, was Hurrikan Katrina für seinen Vorgänger Bush war - der Anfang vom Ende.

Zäher, rötlich-brauner Ölschlamm dringt massiv ins sumpfige, ökologisch sensible Mississippi-Delta ein. Jetzt gibt es die TV-Bilder, die auch "Joe Sixpack", dem US-Normalverbraucher, die Dimension des Tiefsee-Unfalls klarmachen. Ein Signal: Die großen Fernsehsender bringen ihre Nachrichten nun direkt vom Ort des Geschehens. Das hebt die Ölpest endgültig in den Stand des nationalen Unglücks. Die Bilder von ölverklebten, matt mit den Flügeln schlagenden Vögeln, von toten Delfinen und Meeresschildkröten rühren die Seele des Volks auf. Sogar den Pelikan, das Wappentier Louisianas, hat es erwischt.

Vier Wochen vergingen, ohne dass der Ölkonzern BP seiner Verantwortung gerecht wurde. Immer neue Versuche des Ölmultis, das Loch in der Tiefsee zu stopfen oder das Öl abzusaugen, gingen schief. Auch bei der neuesten Variante, "Top Kill" genannt, gibt es Zweifel; möglicherweise sprudelt es nach der geplanten Schlamm-Injektion in 1600 Metern Tiefe noch schlimmer als jetzt schon. Die BP-Ingenieure zögerten mit dieser Killerapplikation, und sie wissen auch, warum. Die Katastrophe würde vollends unkontrollierbar.

Den Konzern BP, der einmal in ein Zeitalter "Jenseits des Öls" (BP galt als Kürzel für "Beyond Petrol") aufbrechen wollte, könnte es tatsächlich dorthin bringen. Nur ganz anders als damals gedacht. Es ginge nicht zu Ökosprit und Solarenergie, sondern in eine schwere Finanzkrise, vielleicht sogar die Pleite. BP-Boss Tony Hayward hat öffentlich versprochen, für alle Schäden aufzukommen, die durch das Deepwater-Unglück entstehen. Darauf muss er festgenagelt werden. Es gilt, was der gesunde Menschenverstand sagt: Es darf nicht sein, dass ein Ölkonzern, der hohe Risiken mit Tiefsee-Bohrungen eingeht und konstant Milliardengewinne eingefahren hat, die ökologischen "Unkosten" sozialisiert.

Barack Obamas politisches Schicksal wird also nicht nur davon abhängen, dass seine Behörden die akute Ölbekämpfung vor den Küsten nun besser anpacken als bisher, dass später die Sanierung der ölverseuchten Strände funktioniert und dass der Exitus der Fischerei- und Tourismusbranche verhindert werden kann. Obama muss auch, exekutiert am Fall BP, das ökologische Verursacherprinzip durchsetzen und die mächtige Energiebranche in die Schranken weisen.

Das wäre der erste Schritt, um den Staat im US-Staat namens "Big Oil" zu entmachten, der sich bereits unter seinem Vorgänger Bush immer weiter ausgedehnt hatte. Seit dem Deepwater-GAU ist es ja offenkundig: Die Ölbranche reguliert sich in den USA praktisch selbst, es gab eine gefährliche Kumpanei mit den Kontrollbehörden, Sex- und Drogenpartys inklusive.

Gelingt Obama diese Wende nicht, bleiben die Ölflecken der nationalen Katastrophe auf Dauer an seiner Weste haften. Auch rhetorische Reinigungen nützen dann nichts mehr.

Autor:  Joachim Wille
Datum:  25 | 5 | 2010
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Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
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