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Analyse: Unter Geiern

Global betrachtet ist der Fall IKB ein Mosaikstein im Schreckensbild. Überall gilt es Banken zu retten. Vier Lehren aus der Finanzkrise. Robert von Heusinger IKB-Rettung: Zur Staatskasse, bitte

Robert von Heusinger leitet die Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Rundschau.
Robert von Heusinger leitet die Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Zum Schluss hat die deutsche Politik für das Ende mit Schrecken plädiert. Für einen Appel und ein Ei verkauft die Staatsbank KfW die schlingernde Mittelstandsbank IKB ausgerechnet an einen Geierfonds. Diese Fonds sind die letzten in der Verwertungskette des Finanzkapitalismus. Sie stürzen sich auf das Aas, auf kaum werthaltige Wertpapiere und Kredite, und versuchen herauszuholen, was noch herauszuholen ist. Das ist eine Wette.

Gut möglich, dass Lone Star mit der IKB das Geschäft seines Lebens gemacht hat. Genauso wahrscheinlich ist aber auch, dass die Finanzkrise noch viel schlimmer wird und der US-Fonds am Ende draufzahlen muss. Dann werden die Steuerzahler nachträglich den Ministern Michael Glos und Peer Steinbrück auf die Schultern klopfen. Deshalb sollten sie jetzt auch nicht nörgeln.

Die Quasi-Pleite der IKB ist kein Ruhmesblatt für die privaten Banken in Deutschland, zu deren vornehmsten Mitgliedern einst die IKB zählte. Aber auch die öffentliche Hand hat Fehler bei der Kontrolle und Aufsicht gemacht. Doch der wahre Skandal liegt woanders: in der mangelhaften Regulierung der internationalen Finanzmärkte.

Global betrachtet ist der Fall IKB ein Mosaikstein in einem Bild des Schreckens. Überall schlägt die Krise zu, müssen Banken gerettet, verstaatlicht, zerschlagen werden.

Auch wenn sich die Politik noch früh genug vor dem Bundestagswahlkampf des lästigen Themas entledigt hat, sollte sie vier Lehren aus der Krise beherzigen.

Lehre Nummer eins: Protektionismus kann teuer werden. Denn es waren im Jahr 2001 der Genosse der Bosse, Gerhard Schröder, und sein treuer Finanzminister Hans Eichel, die der Staatsbank KfW den 35-prozentigen Anteil an der IKB aufgenötigt haben. In einem patriotischen Akt haben sie auf Drängen der deutschen Industrie verhindert, dass das Paket an die britische Royal Bank of Scotland ging. Die Kreditversorgung des deutschen Mittelstands sollte deutsch bleiben. Warum eigentlich, angesichts eines fantastisch engmaschigen Netzes öffentlich-rechtlicher Sparkassen?

Lehre Nummer zwei: Abwarten kann sehr teuer werden. Die Preise, die die Geierfonds vor einem halben Jahr für die IKB geboten haben, waren besser. Aber damals hofften noch alle, die Finanzkrise werde sich rasch in Wohlgefallen auflösen. Und deshalb war niemand bereit, zu vermeintlichen Schleuderpreisen zu verkaufen. Das war ein gewaltiger Irrtum.

Lehre Nummer drei: Untätigkeit kann unbezahlbar werden. Die einzige komplett richtige Entscheidung, die die Politik getroffen hat, war die bedingungslose Rettung der IKB. Auch wenn zehn Milliarden Euro viel sind, die Pleite der IKB wäre den Steuerzahler teurer gekommen. Denn das deutsche Bankensystem war über Kreditbeziehungen viel zu stark mit der IKB vernetzt. Ihre Pleite hätte das sichere Aus für andere deutsche Banken bedeutet.

Lehre Nummer vier: Naivität wird bestraft. Das dämmert allmählich allen Politikern in Amerika und Europa. Die Hoffnung, der Kapitalismus würde besser, wenn alles handelbar gemacht werde, alles dem Diktat der Finanzmärkte untergeordnet werde, selbst Kredite, hat getrogen. Deshalb ist es höchste Zeit für eine neue Finanzarchitektur, die das spekulative Element des Kapitalismus wieder zurückdrängt.

Autor:  ROBERT VON HEUSINGER
Datum:  22 | 8 | 2008
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