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Analyse: Vage Hoffnung am Hindukusch

Militärisch kommen die Alliierten in Afghanistan gegen die Taliban voran. Aber nur ein breites ziviles Bündnis sorgt auch für Stabilität. Von Andreas Schwarzkopf

Andreas Schwarzkopf ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.
Andreas Schwarzkopf ist Politikredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

So sieht also die neue Afghanistan-Strategie aus. Mit Zuckerbrot und Peitsche geht die US-geführte internationale Gemeinschaft gegen die Taliban vor. Und schon gibt es anscheinend nur noch Erfolgsmeldungen. Die Offensive der Internationalen Schutztruppe (Isaf) und der afghanischen Armee gegen die Aufständischen in Helmand kommt voran, in Karachi nehmen pakistanische und US-amerikanische Geheimagenten in Mullah Abdul Ghani Baradar den bedeutendsten Taliban-Anführer seit Beginn des Kriegs fest.

Doch die entscheidende Schlacht wird nicht das Militär schlagen. Die Soldaten werden weiter erfolgreich ins Kernland der Taliban und in eines der Hauptanbaugebiete für Opium vorrücken und die Südprovinz schon bald zurückerobert haben. Schließlich hatten die Aufständischen genügend Zeit, sich vor der anrückenden Militärmacht zurückzuziehen. Erst nach dem Ende der Offensive "Muschtarak" ("Gemeinsam") aber wird sich zeigen, ob sie sich wirklich von früheren Einsätzen unterscheidet. Bisher konnte die Isaf oft Gebiete nach einer Militäroperation nicht halten. Das soll eine zivile Offensive diesmal ändern. Afghanische Soldaten und Polizisten, Regierungsvertreter und Aufbauhelfer sollen mit Hilfe des Westens so etwas wie einen Staat aufbauen. So weit die Theorie.

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Unterstützt wird dieses Vorgehen durch andere Teile der Afghanistan-Pakistan-Strategie von US-Präsident Barack Obama. Die Festnahme von Baradar zeigt, dass die USA die pakistanische Regierung davon überzeugen konnten, dass es klug sei, die Taliban nicht mehr wie in der Vergangenheit zu fördern, sondern gegen die Gotteskrieger weiter vorzugehen. Diese Islamisten haben der Regierung die Entscheidung insofern einfach gemacht, weil sie selber im Nordwesten des Landes immer mehr Macht haben wollten. Zugleich zeigt Islamabad mit der Festnahme der Nummer zwei des Taliban-Widerstands: Ohne uns geht gar nichts.

Zu guter Letzt dürften die Verhandlungen mit gemäßigten Taliban schon bald für weitere Schlagzeilen sorgen. Denn wenn der Druck auf die Aufständischen weiter so hoch bleibt und es nicht nur Ausstiegs-, sondern auch Einstiegsangebote gibt, dann werden sicher viele einwilligen, die etwa einen gesicherten Posten auch bei der ungeliebten Karsai-Regierung einem ungewissen Sieg des Kalifats vorziehen.

Wird also doch noch alles gut am Hindukusch? Nein, wenn man sich an den Zielen einer westlichen Demokratie und den Menschenrechten orientiert, was nur noch wenige tun. Ja, wenn man die pragmatischen Ziele des US-geführten Bündnisses zum Maßstab nimmt. Washington und seine Mitstreiter wollen möglichst schnell raus aus dem Land. Für eine Nachkriegsordnung reicht ihnen ein Mindestmaß an Stabilität, damit in Afghanistan nicht wieder Terroristen ausgebildet werden können.

Für diese Stabilität könnte ein breites Bündnis von Afghanen sorgen, das Präsident Hamid Karsai und hinter den Kulissen auch die USA vorbereiten. Sie wollen mehr Stammesführer und Provinzfürsten für sich gewinnen. Die werden ihre Machtsphäre sicher nicht aufgeben. Das wiederum bringt uns zum Drogengeschäft. Da es sich nicht verhindern lässt, werden Karsai & Co damit zufrieden sein, wenn sie es verhindern, dass die Taliban allzu viel damit einnehmen. Alles in allem sind das keine gute Aussichten für Afghanistan.

Autor:  Andreas Schwarzkopf
Datum:  16 | 2 | 2010
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