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Analyse: Warum die Hamas Ordnung schafft

Die Palästinenser dulden keine Privatmilizen und El-Kaida-Ableger in Gaza. Und ihre Führung will aus der Isolation ausbrechen. Von Inge Günther

Inge Günther ist Korrespondentin der FR in Jerusalem.
Inge Günther ist Korrespondentin der FR in Jerusalem.
Foto: FR

Warnende Stimmen, wonach es für Gaza noch Schlimmeres als die Hamas geben könnte, waren schon öfter zu hören. Sie wurden meist dann laut, wenn es wieder Hinweise gab, dass sich über die Schmuggeltunnel auch El-Kaida-Anhänger aus dem Sinai in den Gazastreifen einschleusten, darunter Kämpfer aus dem Irak. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, aber ein paar hundert solcher Dschihad-Legionäre dürften in Gaza abgetaucht sein.

Wer von ihnen auf ein ungestörtes Refugium in dem palästinensischen Elendsstreifen setzte, hat sich indes verkalkuliert. Die Hamas hat das mit ihrem Großeinsatz gegen die schwer bewaffnete Splittergruppe "Dschund Ansar Allah" (Soldaten der Gotteskompanie) am Wochenende in Rafah verdeutlicht. Über zwanzig Tote, mehr als hundert Verletzte - das schreckt für die absehbare Zukunft auch potenzielle Nachahmer ab.

Seitdem die Hamas im Juni 2007 die Fatah und ihre Sicherheitsdienste aus Gaza verjagte, herrscht sie dort mit eiserner Hand. Militante Konkurrenz duldet das Regime nur, sofern sie ihm nicht in die Quere kommt. Der berüchtigte Dormusch-Clan mit seiner Privatmiliz "Armee des Islam" erfuhr das als erster. Auch ihr Anführer ließ sich von Ideen des globalen Dschihad inspirieren. Mit Gewalt zwang die Hamas ihn seinerzeit zur Herausgabe des gekidnappten BBC-Korrespondenten Alan Johnston. Als "Botschaft, dass wir dem Gesetz verpflichtet sind", hatte damals Hamas-Hardliner Mahmud al-Sahar die Befreiungsaktion ausgegeben.

Man mag das zynisch nennen; zumal wenn man an Gilad Schalit denkt, den israelischen Soldaten, der sich nach wie vor als Geisel in Händen der Hamas befindet. Aber ihr Vorgehen gegen die Truppe "Dschund Ansar Allah", die aus Gaza ein Emirat im Dienste von Osama bin Laden machen wollte, bestätigt zweierlei. Die Hamas funktioniert erstens als uneingeschränkte Ordnungsmacht und verfolgt vor allem nationale Ziele. Schon aus Eigeninteresse gibt sie zweitens eine Art Bollwerk gegen den ultraradikalen globalen Dschihad ab. Eine Unterscheidung, die reichen sollte, um mit den palästinensischen Islamisten zu sprechen.

Der Hamas selbst scheint mehr denn je daran gelegen, aus der internationalen politischen Isolation auszubrechen. Seit geraumer Zeit kehrt ihre Führung, inklusive Exilchef Khaled Meschal, die pragmatische Seite raus. Sie signalisiert, dass sie sich mit einer Zwei-Staaten-Lösung arrangieren könnte, und richtet den Blick dabei nach Washington aus, weg vom Iran. Eine Entwicklung, die dadurch gefördert wird, dass die US-Regierung unter Barack Obama keine prinzipiellen Einwände gegen eine palästinensische Einheitsregierung hat. Im Gegenteil. Bei seinem aktuellen Versuch, die zerstrittenen Fraktionen von Fatah und Hamas zu versöhnen, soll sich Ägyptens Staatschef Hosni Mubarak zuvor amerikanischen Segen eingeholt haben.

Mit der Niederschlagung einer El-Kaida-Zelle hat die Hamas gezeigt, wo sie im Kampf gegen den globalen Terror steht - ein Angebot an Obama. Damit verknüpft ist allerdings auch eine Warnung, wohin es führen könnte, wenn sich der abgeschnürte, kriegszerstörte Gazastreifen weiter radikalisiert. Vielen jungen Militanten dort ist die Hamas längst zu lahm, zu etabliert. Wenn die Welt nicht reagiert, wird sie eines Tages noch die Hamas vermissen.

Autor:  Inge Günther
Datum:  17 | 8 | 2009
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