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Analyse: Was die CSU so Watschn nennt

Entgegen der Tradition bot der Parteitag Unterhaltendes: Ein kleiner Dämpfer für Seehofer und Jubel für den heimlichen Kronprinzen zu Guttenberg. Von Iris Hilberth

Iris Hilberth ist Korrespondentin der Frankfurter Rundschau in München.
Iris Hilberth ist Korrespondentin der Frankfurter Rundschau in München.
Foto: FR

Es hatte keinen Grund zur Annahme gegeben, dass die CSU es diesmal nicht so halten würde wie immer. Die Schwarzen in Bayern waren stets Meister der Scheinheiligkeit, wenn es darum ging, nach außen gut dazustehen. Da wurden rechtzeitig die Reihen geschlossen und Begeisterung für die eigenen Spitzenleute demonstriert. So hatte sich das wohl auch Horst Seehofer auf dem Parteitag ausgerechnet, der schließlich den Start in den Bundestagswahlkampf markierte. Gemeinsamer Kampfeswille gilt da als besonders wichtig. Kollektive Intelligenz nannten sie das bisher in der CSU.

Stattdessen zeigte die Partei in Nürnberg, dass sie sich nicht mehr alles gefallen lässt und verweigerte ihrem Chef zur Wiederwahl ein CSU-übliches Ergebnis über der 90-Prozent-Marke. Von rund 1000 Delegierten hatten 835 ihre Stimme abgegeben, 710 votierten für Seehofer - nach CSU-Kalkulation, bei der die ungültigen Stimmen rausgerechnet werden, 88,1 Prozent. Darüber mag man sich in anderen Parteien freuen, bei der CSU ist dies bereits ein Dämpfer, eine Watschn, wie man in Bayern sagt. Zumal der Parteichef beim Amtsantritt vor neun Monaten noch 90,3 Prozent einfuhr.

Seither ist es Seehofer zwar gelungen, seiner Partei wieder Gehör zu verschaffen und sie aus ihrer depressiven Stimmung herauszureißen. Zudem bestärkte ihn das Europawahl-Ergebnis darin, auf dem richtigen Kurs zu sein. Doch auf seinem Weg hat Seehofer viele Parteifreunde gedemütigt, die sich jetzt nicht zum Gemeinschaftsjubeln hinreißen lassen. Da sind jene, die bei der Kabinettsbildung nicht berücksichtigt wurden und andere, denen er im Europawahlkampf gegen das Schienbein trat. Schließlich die, denen er mit permanenten Anweisungen das Leben schwer macht. Und dann noch die Franken, die es weiterhin als Unrecht empfinden, dass Günther Beckstein von den Oberbayern vom Stuhl des Ministerpräsidenten gejagt wurde.

Viele von ihnen blieben sitzen, als Seehofer seine Rede beendet hatte, einige blätterten demonstrativ in Zeitungen statt zu klatschen, ein paar hatten sogar Becksteins Namen auf den Wahlzettel für den Parteichefs geschrieben. Und einer sprach sich für Karl-Theodor zu Guttenberg. Der Bundeswirtschaftsminister war der eigentliche, umjubelte Star, obwohl das offizielle Programm für ihn nur eine Nebenrolle vorsah. Sein Wahlergebnis für den Parteivorstand zeigt mit 696 von 728 gültigen Stimmen klar, wer hier der Kronprinz ist. Der ambitionierte bayerische Umweltminister Markus Söder bekam nur 424 Stimmen.

Dabei hatte Seehofer seine Leute mit Lob überschüttet, sie so umgarnt, dass manch einem hätte schwindelig werden müssen. Es war eine Rede der Rechtfertigungen, ja fast Entschuldigungen: "Wenn man hart, ja eisenhart zu sich selbst ist, da passiert es eben gelegentlich, dass man aus Sicht anderer nicht immer diplomatisch genug ist." Auf sein Kabinett sei er "stolz", schmeichelte er. Dabei hatte er erst kürzlich einigen mit Rausschmiss gedroht.

Anders als bei Wahlparteitagen üblich, sparte er mit Attacken auf den politischen Gegner und mühte sich um innerparteilichen Frieden. Sein mäßiges Wahlergebnis wie auch das seiner Stellvertreter, die alle bis auf Barbara Stamm unter 80 Prozent blieben, zeigt schließlich, dass die CSU sich noch immer nicht erholt hat.

Autor:  IRIS HILBERTH
Datum:  19 | 7 | 2009
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