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Analyse zu VW/Porsche: Niedersächsische Allianz

Ministerpräsident Christian Wulff kämpft für VW - und deshalb gegen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Er scheint sich letztlich durchzusetzen. Von Christine Skowronowski

Christine Skowronowski ist Wirtschaftsredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Christine Skowronowski ist Wirtschaftsredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Noch voriges Jahr hatte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking Oberwasser. Er wähnte sich am Ziel, den VW-Großaktionär Niedersachsen übertrumpfen zu können und mit dem Fall des VW-Gesetzes mehr Mitsprache als Ministerpräsident Christian Wulff zu erreichen.

Inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Das VW-Gesetz besteht weiter, das unabhängig von der Höhe des Anteils allen Aktionären höchstens eine Mitsprache von 20 Prozent erlaubt. Porsche hat sich bei der Übernahme von Europas größtem Autobauer gnadenlos verhoben. Und nun hat Wulff Oberwasser bekommen.

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Ganz offen wettert er gegen das seiner Meinung nach aussichtslose Unterfangen des viel kleineren Sportwagenbauers, VW zu übernehmen. Er kenne keine Tiere, "bei denen der Schwanz mit dem Hund wedelt".

Und seinen Sprecher ließ Wulff sagen, dass eine Entmachtung von Wiedeking nur noch eine Frage der Zeit sei. Darf Wulff sich so klar für VW und vor allem für dessen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch ins Zeug legen, der Porsche übernehmen und als zehnte Marke bei Volkswagen integrieren will?

Wer in der Autobranche was zu sagen hat

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Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger meint nein. Wulff überziehe "in seiner Kommentierung handelnder Personen", rügt der CDU-Politiker seinen Parteifreund. Klar, dass Landesväter sich für heimische Unternehmen stark machen müssen. Aber die Ministerpräsidenten unterscheidet eines: Wulff ist nicht nur Landesvater, sondern auch VW-Großaktionär.

Da ist es logisch und auch angemessen, dass er klar Stellung bezieht. Wie Oettinger will auch er einen integrierten Konzern VW/Porsche. Aber unter der Regie von VW und nicht von Porsche. Oettinger hingegen verteidigt die Unabhängigkeit von Porsche.

Ob das etwas nützt, wird sich in wenigen Tagen weisen. Allerdings hat VW derzeit die besseren Karten. Es herrscht keineswegs mehr Waffengleichheit zwischen beiden Unternehmen. Hinter dem Konzept, Porsche zu integrieren stehen der VW-Vorstand, Piëch, der Großaktionär Niedersachsen und, nicht zu vergessen, der mächtige Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh, der sich eigentlich schon lange wünscht, Wiedeking möge verschwinden.

Außerdem steht VW derzeit trotz Finanzkrise relativ gut da, was man von Porsche nicht behaupten kann; die Schulden werden auf zehn Milliarden Euro geschätzt. Zudem ist unklar, was derzeit den Porsche-Familiensprecher, Miteigentümer und Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche umtreibt. Bislang hielt er seine schützende Hand über Wiedeking, weil dieser Anfang der neunziger Jahre Porsche vor der Pleite bewahrt und jahrelang sehr gut geführt hatte. In jüngster Zeit ist von Wolfgang Porsche wenig zu hören.

Bei wichtigen Entscheidungen haben die Familien Porsche und Piëch zwar jeweils nur eine Stimme. Aber der Einfluss von Piëch ist größer. Zwar war er es, der Wiedeking als Porsche-Chef durchsetzte. Aber mit seinen schief gelaufenen Aktienoptionsgeschäften ist er nun in Ungnade beim "Alten" gefallen.

Wie heißt es so schön in Piëchs Autobiografie: "Aus tiefster Überzeugung habe ich lieber einen für die betreffende Situation unpassenden Topmanager gefeuert als eine Schwächung des Unternehmens zu riskieren." Es scheint, dass Wulff mit der nahenden Entmachtung Wiedekings recht behält.

Autor:  CHRISTINE SKOWRONOWSKI
Datum:  17 | 7 | 2009
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