Uneheliche Kinder, fünf Ehefrauen, Vergewaltigungsverfahren, Korruptionsvorwürfe, Leopardenfelltänzer. Das alles sind Stichworte, die einem zum südafrikanischen Präsidenten Jacob Zuma, 67, einfallen können. Eine Peinlichkeit und Fragwürdigkeit folgt der anderen. Seit zehn Monaten ist Zuma im Amt, und bereits jetzt wird innerhalb der Regierungspartei ANC und in den südafrikanischen Medien offen über seine Nachfolge diskutiert.
Klar scheint, dass Zuma auf keinen Fall 2012 als ANC-Chef wiedergewählt wird. Ob er überhaupt seine Amtszeit übersteht, ist ungewiss. "Das Kabinett will doch nicht noch mehr blamiert werden", sagt Pieter Krokamp, Politologe an der Johannesburger Universität. Mit Politik und Strategie habe die Überlegung, Zuma zu schassen nichts zu tun, sondern lediglich mit Zumas fehlenden Führungsqualitäten. Ein Regierungsmitglied sagte, Zuma sei nicht stark genug, um sich gegen die Kommunisten und Gewerkschaften zu behaupten: "Er will immer alle glücklich machen, während wir jemanden brauchen, der auch unangenehme Entscheidungen fällt."
Es brennt an allen Ecken und Enden in Südafrika. Die Fußball-Weltmeisterschaft, die eigentlich ein Paradebeispiel sein soll für Afrikas Fähigkeit, Veranstaltungen dieser Größe auszurichten, beginnt in rund drei Monaten, aber in den Austragungsorten dominieren Baustellen das Stadtbild. Die häufigen Staus lassen befürchten, dass Fußballfans während der WM statt im Stadion im Stau sitzen werden. Im neuen Stadion in Nelspruit kann womöglich nicht gespielt werden, da der Platz derzeit einer Sandgrube ähnelt; mit dem Gras ist irgendetwas schiefgelaufen.
Das zweite große Problem, um das sich Präsident Zuma mit Nachdruck kümmern müsste, sind seine Ministerien und Ämter. Es geht vor allem um staatliche Dienstleistungen. 40000 Häuser des sozialen Wohnungsbaus müssen wegen mangelnder Qualität und Sicherheit wieder abgerissen werden. In Kapstadt wurden öffentliche Toiletten ohne Wände aufgestellt. Der Generalsekretär des Gewerkschaftsdachverbands Cosatu, Zwelinzima Vavi, informierte die Presse in der vergangenen Woche über Pläne seiner Mitglieder, die zugleich ANC-Parteimitglieder sind, Zuma beim Treffen des Nationalkomitees im September das Vertrauen zu entziehen. "Diese Leute machen die tatsächliche Arbeit. Öffentlich sagen sie noch, dass sie den Präsidenten unterstützen, aber die Arbeit an der Basis ist kontraproduktiv", sagt Vavi.
Die Ankündigung Vavis ist ein Beleg für den erbitterten Richtungsstreit in der Regierungsallianz aus dem liberalen ANC, dem linksliberalen Gewerkschaftsdachverband und der kommunistischen Partei. Kürzlich sorgte die erneute Debatte um die Verstaatlichung von Minen und Nationalbank, vorangetrieben von der ANC-Jugendliga und den Gewerkschaften, für Verunsicherung in der Wirtschaftswelt. Südafrikas Investitionsklima schien plötzlich nicht mehr stabil, bis Finanzminister Pravin Gordhan einschritt und die Debatte beendete.
Zuma schafft es nicht, die Fraktionen im ANC sowie innerhalb der Allianz zu einen und auf Regierungslinie zu bringen. Das führt zu Handlungsunfähigkeit, und da das bereits zehn Monate nach Beginn seiner Präsidentschaft der Fall ist, kann man davon ausgehen, dass Südafrikas Entwicklung bis zu den nächsten Wahlen stagniert.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
Daniel Haufler ist Redakteur im Ressort Meinung
Countdown für Obama - das Weblog zur US-Wahl
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.
FR-Online.de möchte Lesern unter vielen Texten zielführende Diskussionen ermöglichen. Die Redaktion prüft Beiträge in verschiedenen Verfahren.