Aktuell: Oscar-Verleihung | NSU-Prozess | Fußball-News | Eintracht Frankfurt | Terror in Paris | Ukraine

Meinung
Kommentare, Kolumnen, Analysen

20. Juli 2012

Analyse zur Frauenquote: EU wird Duell der Ministerinnen entscheiden

 Von Hatice Kücük
Dicke Luft zwischen Von der Leyen und Schröder. Über die Einführung der Frauenquote kommen sie auf keinen gemeinsamen Nenner.

In der Diskussion um die Frauenquote findet die Bundesregierung bisher keine klare Linie. Am Ende könnte eine EU-Regelung den Streit zwischen Von der Leyen und Schröder entscheiden.

Drucken per Mail

Arbeitsministerin Von der Leyen setzt sich abermals für eine gesetzliche Frauenquote ein. Sie greift damit die Pläne von Familienminister Kristina Schröder an. Schröders Vorschlag einer Flexi-Quote werde nicht reichen, sagte Von der Leyen.

Bei dieser selbstverpflichtenden Quote soll sich jedes börsennotierte Unternehmen in Deutschland ein eigenes Ziel setzen, wie viele Frauen in den Ausschüssen sitzen sollen. Staatliche Sanktionen sollen nach Familienministerin Schröder nur dann drohen, wenn das jeweilige Unternehmen die Ziele nicht erfüllt.

Von der Leyen folgt europäischen Nachbarn

Die Arbeitsministerin folgt dem Vorbild einiger europäischer Nachbarn. Norwegen, Frankreich, Belgien und Co. haben es schon vorgemacht. Dänemark und Spanien sind auf dem besten Weg zu einer gesetzlichen Quote. Eine europäische Studie von 2012 zeigt, dass Frauen in Führungspositionen die Wirtschaftlichkeit von Unternehmen und Land ankurbeln. Auch bei Meinungsumfragen unter Europäern sprachen sich 88 Prozent für ein Gesetz aus.

Gesetzliche Frauenquote hat mehr Zukunft

Verantwortlich für die europaweite Quoten-Debatte ist EU-Kommissarin Reding. Ende 2010 leitete sie eine freiwillige Quote ein: Mehrere europäische Unternehmen verpflichteten sich, innerhalb eines Jahres mehr weibliche Führungskräfte einzustellen. Nur 24 Unternehmen in Europa setzten die selbstgesetzten Vorgaben um. Diese negative Entwicklung gab der Kommissarin einen Anreiz, 2012 einen Vorschlag zur gesetzlichen Frauenquote einzuleiten. Nur ein entscheidendes Land sperrt sich: Deutschland.

EU-Entscheidung kann die Debatte beenden

Denkbar sind nun drei Möglichkeiten. Erstens: Eine mehrheitlich europäische Zustimmung für die Quote zwingt Deutschland, die gesetzliche Quote doch noch umzusetzen. Zweitens: Eine geringe Zustimmung der Regierungschefs kippt das Gesetz. Drittens: Wenn sich Von der Leyen und Schröder einig werden, kann die Kombination einer gesetzlichen Quote nach und den Sanktionen nach den Weg zur Verständigung und wirtschaftlichem Fortschritt ebnen. Einer Studie zu Folge wäre das effektiv und die Gleichstellung fördern.

Am wahrscheinlichsten ist, dass sich Von der Leyens Vorschlag durchsetzt, weil eine EU-Regelung für Tatsachen sorgen wird. Dann wird es eine Frauenquote in Führungsposition geben müssen, auch in Deutschland. Allerdings hätte Schröder weiterhin viel Spielraum bei der genauen Höhe der Quote.

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Anzeige
Ressort

Leitartikel, Analysen und Kolumnen unserer Autoren und Korrespondenten


CDU und SPD

Große Koalition ohne Visionen

Von  |
Sigmar Gabriel und Angela Merkel stehen an der Spitze einer Koalition ohne Visionen.

Die große Koalition regiert weit unter ihren Möglichkeiten – und den Notwendigkeiten. So wird ihre Regierungszeit trotz bester Rahmenbedingungen eine verlorene sein. Der FR-Leitartikel. Mehr...

Impfungen

Impfzwang ist vernünftig

Was spricht gegen die Pflicht, sich gegen Masern zu impfen?

Die Freiheit des Einzelnen endet da, wo sie andere gefährdet. Was spricht also gegen die Pflicht, sich zum Beispiel vor Masern zu schützen? Die Gesellschaft muss Verantwortung übernehmen. Der FR-Leitartikel. Mehr...

NSU-Prozess

Verfassungsschutz am Abgrund

Volker Bouffier spielt eine merkwürdige Rolle im NSU-Skandal.

Vieles spricht dafür, dass der hessische Inlandsgeheimdienst längst vor dem Kasseler NSU-Anschlag 2006 über den rechtsextremen Hintergrund der Mordserie Bescheid wusste. Auch die Polizei muss sich unangenehme Fragen gefallen lassen - und Volker Bouffier. Der Leitartikel. Mehr...

Food-Lieferservices

Klicken statt Kochen

Essen vom Lieferanten liegt im Trend.

Digitale Food-Lieferservices sind ein globaler Wachstumsmarkt. Sie wandeln Essen und seine Verteilung in abstrakte Datensätze um. Die Frage, wer es wo und aus was zubereitet hat, verstummt aber zusehends. Mehr...

Schwarzfahrerei

Strafe muss nicht sein

Heute wird immer häufiger elektronisch kontrolliert.

Ärgerlich, dass bisher alle Versuche gescheitert sind, das Schwarzfahren zu entkriminalisieren und zur Ordnungswidrigkeit herunterzustufen. Den Steuerzahler kostet das viel Geld.  Mehr...

Leitartikel

Libysches Risiko

Vergeltung mit Luftschlägen gegen Stellungen des "Islamischen Staats": Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi.

Eine große Militärintervention in dem zerrissenen Land würde dem Islamischen Staat scharenweise neue Kämpfer in die Arme treiben. Die Welt muss es mit Befriedung versuchen. Mehr...

Europapolitik

Das Signal von Athen

Es gibt viele Baustellen in Griechenland, auch an der Akropolis.

Der Wahlsieg der griechischen Linken hat Alternativen zur neoliberalen Europolitik auf die Tagesordnung gesetzt. Das erklärt die Wutausbrüche ihrer unbelehrbaren Fahnenträger. Mehr...

Ukraine

Krieg ohne Sieger

Von  |
Kremlchef Wladimir Putin in Minsk.

Der Kompromiss von Minsk bietet die Chance für einen Neuanfang in der Ukraine. Während sich Putin als Gewinner inszeniert, muss sein Volk weiter auf einen Wandel warten. Der Leitartikel zum Ukraine-Krieg. Mehr...

Leitartikel

Pegidas Hass-Parolen wirken

Der kometenhafte Aufstieg der AfD als Konkurrenz von rechts und die Parolen der Pegida-Demonstranten, so scheint es, haben ihre Spuren bei den Unionsparteien hinterlassen.

Innenminister Thomas de Maizière vergleicht das Kirchenasyl mit religiös motivierter Gewalt. Das ist absurd, und es zeigt, dass die Parolen der Islamhasser schon wirken. Der Leitartikel. Mehr...

HSBC

HSBC: Profit dank Krieg und Terror

Zehntausende von Kunden haben mehrere Milliarden Dollar in der Schweiz versteckt.

Beim jüngsten Bankskandal geht es nicht nur um die Gier von Reichen, die sich auf Kosten der Armen schadlos halten. Es geht auch um Krieg und Terror und den Profit, den sie bringen. Der Leitartikel. Mehr...

Anzeige