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04. Januar 2013

Ausgelesen: Die Macht der Männer

 Von Arno Widmann
Dieses Foto zeigt Phoolan Devi im Jahr 2000 in Neu Delhi.  Foto: dpa

Schon als Elfjährige wurde sie mit einem viel älteren Mann verheiratet, geschlagen und sexuell missbraucht. Dann wurde sie zur Rebellin gegen die männliche Herrschaft. Das wurde ihr zum Verhängnis. Eine Erinnerung an die vergessene Phoolan Devi.

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Schon als Elfjährige wurde sie mit einem viel älteren Mann verheiratet, geschlagen und sexuell missbraucht. Dann wurde sie zur Rebellin gegen die männliche Herrschaft. Das wurde ihr zum Verhängnis. Eine Erinnerung an die vergessene Phoolan Devi.

Phoolan Devi (1963-2001) war die berühmteste Banditin Indiens. Als Elfjährige war sie mit einem 25 Jahre älteren Mann verheiratet worden. Der verprügelte sie, missbrauchte sie als Arbeitskraft und sexuell. Sie verließ und kehrte zu ihren Eltern zurück, in ihr Heimatdorf. Dort galt sie als Freiwild. Sie erzählt: „In einem schmerzvollen Prozess entdeckte ich Stück für Stück, wie die Welt aussah, in der ich lebte: die Macht der Männer, die Macht der privilegierten Kasten und die Macht der Gewalt. Aber zu dieser Zeit, als ich etwa vierzehn, fünfzehn Jahre alt war und kämpfen musste, um überleben zu können, begann meine Rebellion.“

Die führt sie ins Gefängnis, in die Illegalität, in die Berge, wo sie zunächst Mitglied einer Räuberbande wurde. Mit deren Hilfe rächte sie sich auch an ihrem Ehemann und misshandelte ihn. Sie war kaum zwanzig, da gründete sie eine eigene Bande und überfiel die Großgrundbesitzer. Was sie bei den Reichen zusammenraubte, verteilte sie – oder wenigstens Teile davon – an die Besitzlosen. Sie verfolgte auch Männer, die Frauen misshandelten und schnitt ihnen Nase und Penis ab. Heißt es.

Phoolan Devi betrachtete sich als eine Inkarnation der Göttin Durga. Jener vielarmigen Dame des indischen Olymp, die in jeder ihrer Hände eine Waffe gegen die Bösen schwingt. Als die Bande von Phoolan Devi den Palast von Jagamanpur stürmt, geht die Polizei mit allen Mitteln – auch Hubschraubereinsätzen – gegen sie vor. In einer riesigen Demonstration, vor den Augen von 10.000 Zuschauern, ergab sich Phoolan Devi 1983. Sie kam ins Gefängnis. Ohne Gerichtsverhandlung. 1994 wurde sie begnadigt. 1996 bis 1999 saß sie im Parlament in Neu Delhi. Am 25. Juli 2001 wurde sie ermordet. Möglicherweise eine Rachetat von Verwandten ihres Ex-Ehemannes.

Mehr dazu

Im Laika Verlag ist ein Buch über Phoolan Devi erschienen. Über sie und über Frauen, die in den Dörfern Nordindiens gegen Zwangsehen von Kindern, gegen prügelnde und vergewaltigende Ehemänner vorgehen. Es ist ein erhellendes Buch. Es zeigt eine Seite Indiens, die wir zum Beispiel bei den „Inder statt Kinder“-Debatten gerne vergessen. Es zeigt sie auch auf zwei DVDs, die zum Buch gehören. Auf einer ist ein Film über Phoolan Devi zu sehen, ein Film aus dem Jahre 1994 von Mirjam Quinte und Pepe Danquart. Auf der anderen ein Film über die Pink Saris von Kim Longinotto aus dem Jahre 2010. Pink Saris nennt sich eine Frauengruppe. Sie kämpft fest entschlossen gegen die Ansicht, Frauen hätten zu tun, was Männer von ihnen verlangten. Aber auch gegen die immer wieder aufkommende Verzweiflung angesichts der scheinbaren Aussichtslosigkeit ihres Engagements.

Phoolan Devi : Die Rebellin, Bibliothek des Widerstandes Band 13, LAIKA-Verlag, Hamburg 2012, 178 Seiten, Fotos, 2 DVDs, 24,90 Euro

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