Darf ein schwuler Pfarrer mit seinem Partner in einem evangelischen Pfarrhause leben? Aber ja doch, sagt die Evangelische Kirche Deutschland (EKD). Sie hat 2010 auf ihrer Synode ein neues Pfarrerdienstgesetz vorgelegt, das in § 39 regelt, dass Pfarrerinnen und Pfarrer in Ehe und familiärem Zusammenleben den Verpflichtungen aus der Ordination zu folgen haben. Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und gegenseitige Verantwortung sind hierfür maßgebend. Das finden alle richtig.
In einem Begleitblatt heißt es aber, der Begriff „familiäres Zusammenleben“ sei „bewusst weit gewählt“, da man „jede Form des rechtsverbindlichen Zusammenlebens“ meine, also auch homosexuelle. Diese Gesetzesvorlage, über die die Landeskirchen noch abstimmen müssen, sorgt nicht nur an der Gemeindebasis für regen Diskussionsstoff. Auch unter den Bischöfen ist man keineswegs einer Meinung. In der Zeit-Beilage Christ und Welt haben acht Altbischöfe sich deutlich gegen die EKD gestellt. Sie sehen hier eine Gleichstellung der Homo- mit der heterosexuellen Ehe, obwohl Erstere laut Bibel „zu den gottwidrigen Verhaltensweisen“ gehöre. Wer dies missachte, gefährde die Ökumene „mit der katholischen und den orthodoxen Kirchen“.
Der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich wirft laut Welt den Altbischöfen dagegen vor, dieser Aufruf gehe inhaltlich an dem vorbei, was die EKD-Synode beschlossen habe: „Das neue Pfarrdienstgesetz erlässt in diesem Punkt keine allgemeine Vorschrift, sondern lässt den Gliedkirchen die Möglichkeit, sich nach ihren bisherigen Regelungen zu diesem Thema so zu stellen, wie sie es für richtig halten.“ Für Alfred Menzel, Sprecher der Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche, habe man es hier mit alten Herren auf hohem Ross zu tun, die versuchten, „die Lebensrealitäten von Menschen arrogant auszubremsen“.
In Sachsen, wo der Streit um das neue Pfarrerdienstgesetz besonders heftig ausgetragen wird, sieht man einstweilen sogar die Einheit der Landeskirche in Gefahr. „Die sächsische Landeskirche ist groß“, schreibt die Wochenzeitung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Der Sonntag, und zwar „so groß, dass sich die verschiedenen Regionen und Frömmigkeitsrichtungen mitunter kaum verstehen.“ Für viele Christen könnte die Haltung ihrer Landeskirche gegenüber Homosexuellen „zur Bekenntnisfrage“ werden. Landesbischof Jochen Bohl hat in für ihn außergewöhnlich deutlicher Weise deshalb die „aggressive Sprache“ mancher Kritiker angeprangert und einen respekt- und liebevollen Umgang miteinander angemahnt.
„Es gibt keine Äußerung von Jesus über die Homosexualität“, zitiert Der Sonntag den Dresdner Kreuzkirchenpfarrer Joachim Zirkler, „aber es gibt viele Zeugnisse, wie er mit Menschen umging, die in der Gesellschaft in der Minderheit und nicht so angesehen waren.“

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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