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18. Februar 2013

Auslese: Das Dilemma der Berlinale

 Von Daniel Haufler
Der Goldene Bär der Berlinale.  Foto: AFP

Eine durchwachsene Bilanz der Berliner Filmfestspiele

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Diese Berlinale konnte nur mehr oder weniger glorreich scheitern. Das wussten einige Kritiker schon, bevor die Filmfestspiele in Berlin überhaupt begonnen hatten. Schließlich sei es noch seltener als früher gelungen, Weltpremieren ins Programm zu holen, hieß es. Und überhaupt verhindere der Termin im Februar, dass die großen Regisseure und Schauspieler in die deutsche Hauptstadt kämen. Sie tummeln sich lieber in Cannes oder Venedig, wo sie nicht nur bei besserem Wetter über den roten Teppich stolzieren können, sondern auch näher zu den attraktiven Startterminen ihrer Filme Werbung für ihre Werke machen können.

Es ist also kein Wunder, dass Martina Knoben in ihrer Berlinale-Bilanz in der Süddeutschen Zeitung darauf noch einmal zu sprechen kommt. Sie moniert: „Weil Regisseure von Weltrang zunehmend nach Cannes oder Venedig gehen, aber auch Berlin nicht auf den Glamour am roten Teppich verzichten will, wurden auch belanglose und schlechte Filme in den Wettbewerb geladen: Guillaume Nicloux’ ‚Nonne‘ etwa, den Isabelle Huppert begleitete; der neue Soderbergh; Emmanuelle Bercots ‚Elle s’en va‘, der Catherine Deneuve ins Schlepptau nahm, oder ‚The Necessary Death of Charlie Countryman‘ mit Shia LaBeouf. Bille Augusts ‚Nachtzug nach Lissabon‘ transportierte – außer Konkurrenz – gleich ein ganzes ICE-Abteil voller Stars nach Berlin, war aber nur Kunstkino-Massenware.“ Zudem hätten die deutschen Regisseure enttäuscht, die Knoben mal für schlicht für schwach hält (Layla Fourie), mal für zu sperrig (Gold).

Logischerweise haben all diese Filme auch keinen Preis bekommen, sondern solche von den Rändern des etablierten Filmuniversums, aus Südamerika, Osteuropa, Afrika oder Asien, wie Hanns-Georg Rodek in der Welt meint: „Es ist kein Wunder, dass die Bären-Gewinner der letzten Jahre von dort stammen, und der Berlinale gebührt das große Verdienst, diese Kinematografien auf die Weltkarte zu setzen.“ So weit, so gut, doch dann weist Rodek auf ein weiteres strukturelles Problem der Berlinale hin: In Deutschland gebe es „nur einen Weltvertrieb, der Verkäufe garantieren kann; Frankreich hat ein knappes halbes Dutzend. Und der Ruf des Berlinale-Wettbewerbs hat stark gelitten: Um bekannt zu werden, kann man nach Berlin, um berühmt zu werden, muss man nach Cannes. Das ist das Dilemma von Berlin.“

Dieses Dilemma scheint Festivalleiter Dieter Kosslick bewusst zu sein, doch er weiß offenbar nicht wirklich, wie er darauf reagieren soll, konstatiert Andreas Kilb in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Wenn die großen Namen Berlin meiden, dann muss Kosslick eben den Nachwuchs großziehen (...) Aber dazu genügt es nicht, in alle Richtungen zu schielen, nach Hollywood wie nach Paris und Bukarest. Die Berlinale muss endlich anfangen zu praktizieren, was sie von ihren Besuchern verlangt: den genauen Blick.“

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