Aktuell: Griechenland | Frauen-Fußball-WM | Flucht und Zuwanderung | Regionale Startseite
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Meinung
Kommentare, Kolumnen, Analysen

11. Oktober 2012

Auslese: Das Scheitern der Fusion von EADS und BAE

 Von 
Ein Flugzeug, das von BAE Systems konstruiert wurde.  Foto: dpa

Wenn sich die beteiligten drei Regierungen noch nicht einmal darauf einigen können, in welchem Land das Hauptquartier des neuen Rüstungs-Raumfahrts-Konzerns anzusiedeln sei, dann ist ein solches Großprojekt wohl schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Drucken per Mail

Europaweit hieß es in den Medien: „Frau Merkel wollte nicht“. Aber es ist ein allzu billiger Versuch, der deutschen Kanzlerin die Schuld an der gescheiterten Fusion des europäischen Raumfahrtriesen EADS mit dem britischen Rüstungskonzern BAE zuzuschieben. Denn nicht Angela Merkel hat eigenhändig das Milliardenprojekt „abgeschossen“, wie die britische Tageszeitung Daily Telegraph – im in diesen Fällen gerne verwendeten Militärjargon – schreibt.

Sondern es waren nach Meinung der Londoner Times vor allem die beteiligten Firmenbosse, die ein erhebliches Ausmaß an wirtschaftlichem Chaos auf beiden Seiten des Ärmelkanals stifteten: Tom Enders, der EADS-Chef, scheiterte an seiner Aufgabe, die deutsche Kanzlerin zu überzeugen; die französischen Unterhändler scheiterten daran, Präsident Hollande auf ihre Seite zu bringen; und Ian King, der Geschäftsführer von BAE, konnte weder Medien, noch Hinterbänkler im Parlament, ja nicht einmal die eigenen Aktionäre für die Fusion gewinnen.

Politische Fesseln

Wenn sich die beteiligten drei Regierungen noch nicht einmal darauf einigen können, in welchem Land das Hauptquartier des neuen Rüstungs-Raumfahrts-Konzerns anzusiedeln sei, dann ist ein solches Großprojekt wohl schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt, schreibt die Financial Times. Zumindest wäre fraglich gewesen, ob sich der neue Großkonzern tatsächlich von politischen Fesseln und staatlicher Einflussnahme hätte befreien können.

Die britische Regierung und das Verteidigungsministerium indes, so glaubt die Times, hätten durchaus Vorteile für BAE und die britische Industrie gesehen. Denn schließlich werden die Flugzeugflügel des Airbus in Großbritannien gebaut, und geschätzte 140 000 Stellen hängen von dieser Fertigung ab: „Die große Nachfrage für den Airbus bedeutet, dass die Aussichten für den britischen Teil des Geschäfts hervorragend sind – so lange die Franzosen und Deutschen ihren Einfluss nicht nutzen, mehr von dieser Sparte zu beanspruchen.“

BAE hatte 2006, auch darauf weist die Times hin, seinen 20-Prozent-Anteil an Airbus verkauft; nach der Fusion hätte das Unternehmen also wieder mit am Tisch gesessen.

„Historische Chance“

Insgesamt wurde eine „historische Chance“ durch kleinkarierte Politik verschenkt – das ist das Fazit, das Karl-Theodor von Guttenberg, der frühere deutsche Verteidigungsminister und heutige Mitarbeiter des Centre for Stategic and International Studies in Washington, zieht. In einem Gastbeitrag für die Financial Times argumentiert von Guttenberg, dass die Fusion Kosten gesenkt und die Wettbewerbsfähigkeit auf einem global heftig umkämpften Markt gesteigert hätte. Unglücklich sei das Scheitern des Projekts aber auch für Europa.

„Nicht zuletzt, weil Deutschland ständig die Notwendigkeit größerer europäischer Integration und Kooperation betont. Was für eine Ironie, dass die tatsächlichen Hindernisse für ein wahrhaft europäisches Projekt nun auf der kontinentalen Seite des Kanals lagen.“

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Griechenland

Referendum als Chance nutzen

Von  |
Wandmalerei in Athen.

Der griechische Ministerpräsident Tsipras kann den Reformforderungen der Gläubiger nicht zustimmen. Das Volk aber schon. Ein Referendum ermöglicht eine Einigung. Der Leitartikel. Mehr...

Leitartikel

Keine Regenbogenfahne für staatliche Stellen

Die Regenbogenfahne während des Umzugs zum Christopher Street Day 2013 vor der Siegessäule in Berlin.

Die Regenbogenfahne ist eine gute Fahne, weil sie Gleichberechtigung, Toleranz und Lebensfreude signalisiert. Trotzdem sollten staatliche Stellen sie nicht verwenden, denn kein Bekenntnis darf wichtiger sein als ein anderes. Der Leitartikel. Mehr...

FR-Schwerpunkt

Liebe. Nichts für Feiglinge.

 

Sie überwältigt, beglückt, fordert, treibt an. Ist Drama und Komödie, Sehnen und Verzweiflung. Liebe ist eine scharfe Waffe, für die Wirtschaft ein Riesengeschäft, für Politik und Religion ein Instrument, das mit Kalkül eingesetzt wird.

Wir finden Worte für die Liebe - im Schwerpunkt der Frankfurter Rundschau im Mai und Juni.

Hinweis: Unser Vertrieb bietet dazu ein vergünstigtes sechswöchiges Digital-Abo für das ePaper sowie unsere iPad- und Android-App an.

Liebesgrüße: Wenn Sie unseren Schwerpunkt lieben, verschicken Sie doch mal Liebesgrüße.

Verlagsveröffentlichung


Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Videonachrichten Politik
Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Anzeige

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung