Salman Muhammed Hamdani wartete auf einem Bahnsteig in Queens auf seinen Zug, als am 11. September 2001 die Flugzeuge kamen. Der Hilfspolizist und Chemielaborant pakistanischer Herkunft hatte einen klaren Blick auf die Zwillingstürme. Als er sah, wie sie in Flammen aufgingen, entschloss er sich, dort zu helfen, schließlich hatte er eine Ausbildung als Sanitäter.
Hamdani kam in den Türmen um, während er versuchte Menschen zu retten. Und doch wurde er wochenlang von der Polizei gesucht. Man verdächtigte ihn alleine seines Namens wegen, an den Anschlägen beteiligt gewesen zu sein. Erst als man seine Überreste in den Trümmern fand, verstummten die Anschuldigungen.
Familie durchlebt das Trauma noch einmal
Die Verdächtigungen haben Hamdanis Familie zugesetzt. Jetzt, zehn Jahre später, durchleben sie das Trauma noch einmal. In dieser Woche wurde bekannt, dass sein Name an der Gedenkstätte am Ground Zero unter den „First responders“, denen, die ihr Leben verloren haben, weil sie spontan halfen, fehlt. „Sie wollen nicht, dass jemand mit muslimischem Namen am Ground Zero geehrt wird“, sagte seine Mutter der der New York Times.
Die Verantwortlichen bestreiten hingegen im selben Blatt, dass Hamdanis muslimischer Glaube etwas mit der Auslassung zu tun habe. Hamdani, so Thomas Roger, Mitglied der Stiftung für die Gedenkstätte, sei nur deshalb nicht auf der Ehrentafel gelandet, weil bei den langen Verhandlungen um die Platzierung der Namen niemand seine Interessen vertreten habe. Er war weder ein ordentlicher Polizeioffizier gewesen, noch ein Feuerwehrmann, noch habe er im World Trade Center gearbeitet. „Er ist durch die bürokratischen Ritzen gefallen.“
Auch muslimische Organisationen in New York waren zurückhaltend, die Auslassung als direktes Zeichen von Islamophobie zu werten. „Es wäre eine schöne Geste gewesen, einen muslimischen Amerikaner als Helden zu ehren“, sagte die Direktorin der arabisch-amerikanischen Vereinigung von New York, Linda Sarsour der New York Times.
Polizei überwacht gezielt Muslime
Sarsour wollte offenbar die angespannten Beziehungen der New Yorker Muslime mit der Stadt nicht weiter komplizieren: Einer Artikelserie der Associated Press zufolge überwacht die Polizei in Zusammenarbeit mit dem FBI seit Jahren ohne konkreten Verdacht gezielt muslimische Gemeinden in New York. Die AP-Berichte nannten die Praxis einen klaren Fall von „racial profiling“ – gezielte Verdächtigung einer gesamten ethnischen Gruppe. Die New Yorker Boulevardblätter Daily News und New York Post hingegen fanden die Berichte überzogen und hysterisch. „Ein schändliches Stück linker Agitprop“, wetterte die Post.
Die islamophobe Stimmung können diese Zeitungen allerdings nicht leugnen. Erst im Herbst riefen republikanische Abgeordnete einen Kongressausschuss ins Leben, der untersuchen sollte, ob die amerikanischen Muslime nicht insgesamt gefährlich radikalisiert seien. Sebastian Moll

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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