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16. Dezember 2012

Auslese: Ein Besuch in Kambodscha

 Von Arno Widmann
Foto: AFP

Es lohnt sich immer wieder mal in das Magazin Intelligent Life hineinzuschauen - auch wenn es viele Seiten zum Überblättern enthält

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Intelligent Life ist ein Hochglanzprodukt aus dem Haus der britischen Wochenzeitschrift The Economist. Solange es sie noch gibt – in der neuesten Ausgabe, der für Januar und Februar 2013, gibt es gar zu leserfreundlich kaum Anzeigen –, kann man jedem nur empfehlen, immer wieder mal hineinzuschauen. Es gibt, anders als der Titel einen glauben machen möchte, keine Titelgeschichte zu David Bowie, sondern vier Seiten mit Fotos und ein paar kurzen Bildunterschriften. Also diesen Schwindel schnell überblättern.

Für das Genre der in Zeitschriften dieser Art so beliebten Reiseempfehlung seitens eines Prominenten, hat Intelligent Life, diesem Namen alle Ehre machend, kein Modell, keine Fernsehgröße, sondern einen der bedeutendsten Dichter der Welt befragt: den Literaturnobelpreisträger von 1995, Seamus Heaney. Er empfiehlt allerdings nichts, auf das nicht jeder von uns auch gekommen wäre: St. Petersburg, San Francisco, Rom. Aber dann doch auch den Strand von Portstewart in County Derry. Dort sah er das erste Mal das Meer und „of course, there was the mystery of the courting couples in the dunes“.

Was aber jeder lesen sollte, das sind die fünfzehn Seiten, auf denen der Schriftsteller Nicholas Shakespeare (zuletzt „Die Erbschaft“ bei Rowohlt) über Kambodscha schreibt. Er besuchte das Land in diesem Jahr zusammen mit seinem Vater. Der war von 1963 bis 1975, als die Roten Khmer die Stadt eroberten, erster Sekretär der britischen Botschaft in Pnom Penh. Nicholas Shakespeare verbrachte darum seine ersten Schuljahre in der Stadt.

Seine Schule war das „Lycée Descartes“. Französisch war Unterrichtssprache. Unter den Millionen Menschen, die von den Roten Khmer aus den Städten aufs Land getrieben wurden, waren auch die Lehrer Nicholas Shakespeares und seine Klassenkameraden. Jeder, der eine Fremdsprache sprach, jeder mit einer Brille – Brillen waren den Kadern vorbehalten – war verdächtig, schreibt Shakespeare.

1998 legten die Roten Khmer die Waffen nieder. Die das Land zerstörten und Millionen Menschen umbrachten, leben heute in glänzenden Stadthäusern und fahren Luxuslimousinen. Aufarbeitung der Vergangenheit? Den Mördern den Prozess machen? Ein Kambodschaner antwortet Shakespeare: „Der Senatspräsident war ein Roter Khmer. Der Präsident der Nationalversammlung war ein Roter Khmer. Der Chef der Streitkräfte war ein Roter Khmer. Der Finanzminister war ein Roter Khmer. Der Außenminister war ein Roter Khmer. Wundern Sie sich nicht, dass das Tribunal über die Verbrechen der Roten Khmer nicht wirklich gut läuft.“

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