Wo wäre Russlands Außenminister so willkommen wie in Damaskus? Am Dienstag war Sergej Lawrow dort, um Präsident Baschar al-Assad zu treffen. Kurz zuvor hatte Russland sich im UN-Sicherheitsrat schützend vor das verbündete Regime gestellt. Entsprechend triumphal fiel der Empfang aus.
Die Moskauer Regierungszeitung Rossijskaja Gaseta schwärmt: „Ein Meer lächelnder Gesichter. So lächelt niemand, den man mit Prügeln zu einer Kundgebung zwingt… Ganz Damaskus scheint auf der Straße zu sein. Frauen in weißen Kopftüchern, 15-Jährige, die vor überschäumenden Gefühlen auf die Fahrbahn springen, gesetzte Männer mit Krawatte – alle klatschen wie besessen und schauen in die Autofenster der russischen Delegation. Aber in den Freudenschreien hört man ab und an die Frage, die viele Syrer bewegt – lasst ihr uns auch nicht im Stich?“
Die kritische Tageszeitung Kommersant sieht dasselbe Geschehen skeptisch: „Genauso hat man zu Sowjetzeiten Führer befreundeter sowjetischer Regime begrüßt. Jugendliche, die in ganzen Schulklassen gekommen sind, die Alten sowie die kräftigen jungen Männer, die das Volk von der Fahrbahn drängen – das erinnert an die jüngste Kundgebung von Putin-Anhängern. Zum Beispiel, weil man Autobusse sieht, die immer neue Freunde Russlands heranbringen.“ Allerdings sei der Enthusiasmus größer als bei der von oben angeordneten Pro-Putin-Demonstration.
Lawrow kommt ohne Ergebnisse zurück
Ergebnisse konnte Lawrow kaum vorweisen. Vielleicht, so der Kommersant, wäre das ohne die Hast im Sicherheitsrat anders gewesen. Lawrow habe nämlich am Rand der Münchener Sicherheitskonferenz mit der Hillary Clinton ausgemacht, erst nach dem Besuch abzustimmen. So will es die Zeitung erfahren haben.
Michail Leontjew, Kommentator der Abendnachrichten im Ersten Kanal, sieht alle Schuld bei Russlands Gegnern. „Die Taktik der westlichen Staaten hat Syrien in die Sackgasse geführt. Ihre militärischen Anstrengungen plus fantastische Hilfsgelder aus Katar und Saudi-Arabien an die Opposition hindern Assad daran, mit Gewalt Ordnung zu schaffen. Das von ihnen diktierte Nein der Opposition zu Verhandlungen verhindert eine friedliche Lösung.“ Es gehe der Gegenseite darum, Assad zu verjagen – sondern Russland aus Syrien.
Syrien wird im russischen Präsidentschaftswahlkampf wohl kein Thema, dazu sind sich alle zu einig. Kommunistenführer Sjuganow stützt Lawrows Kurs und fordert Gespräche mit Assad und der Opposition. „Bei letzteren muss man allerdings herausfinden, wer jene Banditen und Söldner sind, die vom Westen zum Sturz der legitimen Obrigkeit geschickt wurden.“ Wirr nimmt sich Michail Prochorow aus, Milliardär und liberaler Rivale Putins. Das Außenministerium sei von „Phobien und ideologischen Dogmen gelenkt“, schreibt er, statt „von einer ökonomischen Strategie Russlands und seiner Wirtschaft.“

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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