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20. Dezember 2012

Auslese: Schockbilder helfen nicht

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Auch wenn die EU mehr Menschen vom Rauchen abbringen will, profitieren die Staaten gleichzeitig auch von der Tabaksteuer. Foto: dpa

Die neuen Tabakrichtlinien der EU lösen Emotionen aus. Nicht alle finden die geplante Kampagne mit Horrorbildern auf der Zigaretten-Schachtel sinnvoll.

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Das Wort Menthol riecht und klingt irgendwie nach Helmut Schmidt. Und so widmet man sich selbst in Interviews über die neuen EU-Tabakrichtlinien zunächst einmal dem rauchenden Alt-Kanzler. „Ich mache mir keine Sorgen um Helmut Schmidt“, gesteht Dirk Pangritz, Geschäftsführer des Deutschen Zigarettenverbandes im Deutschlandfunk. „Helmut Schmidt ist ein so gestandener Politiker, dass der schon sehr genau weiß, was er tut und warum er es tut, und es ist immer schön, mit Helmut Schmidt mal in einem Raum zu sein und zu sehen, wie genüsslich er seine Zigaretten raucht und wie er dieses auch genießt.“

Einem wie Schmidt, soll das wohl heißen, kann keine Richtlinie der EU etwas anhaben. Alle anderen aber fragen sich schon, was die geplante Kampagne mit Horrorbildchen auf den Schachteln soll. „Wer Qualmen als cool oder unverzichtbaren Genuss erachtet, den wird auch das Bild einer vom Krebs zerfressenden Lunge auf der Zigarettenpackung nicht davon abhalten“, schreibt das Flensburger Tageblatt und schlägt sogleich wirksamere Strafen vor. „Das Einzige, was wirklich hilft, sind weitere – drastische – Preiserhöhungen. Doch fraglich ist, ob die Politik den Tabakkonsumenten tatsächlich den Garaus machen will. Zwar belasten die Raucher mit ihren Krankheiten das Gesundheitssystem – aber auf der anderen Seite haben sie dem deutschen Staat über die Tabaksteuer allein im vergangenen Jahr fast 15 Milliarden Euro in die Kasse gespült.“

Freiwillig vor die Tür

Der Osnabrücker Zeitung geht das alles nicht weit genug und fordert, auch gegen andere Selbstschädigungsgruppen vorzugehen. „Der Einwand von EU-Kommissar Tonio Borg, Alkohol sei lediglich bei Missbrauch gefährlich, der Tabakkonsum dafür grundsätzlich, greift zu kurz. Er tröstet nicht darüber hinweg, dass der Statistik zufolge allein in Deutschland jährlich etwa 74 000 Menschen an den Folgen des Alkoholkonsums sterben und 1,3 Millionen abhängig sind. So sollte die EU ihren gesundheitspolitischen Maßstab nicht nur bei der Tabakindustrie ansetzen. Warnhinweise sollte es auch auf Schnapsflaschen und Chipstüten geben.“

Ähnliches hat der FAZ-Kommentator bereits kommen sehen und wehrt sich in Form eines Bekenntnisses. „Ich gestehe, dass ich Raucher bin. Seit Jahren werde ich darüber informiert, welche Gefahren ich damit eingehe, das muss mir niemand mehr sagen.“ Als Gegenwehr hilft allenfalls die Beteuerung, ein rücksichtsvoller Raucher zu sein, der inzwischen freiwillig vor die Tür geht. Aber selbst das schützt nicht vor Demütigungen. „Ich fühle mich inzwischen als Opfer eines Tugendterrors, der heute Raucher verdammt und morgen Weintrinker oder Schweinefleischesser treffen kann. Ich frage mich, warum für jeden Schädling aus dem Tierreich oder aus der Pflanzenwelt gesorgt wird, damit seine Spezies überlebt, nur nicht für Raucher. Ich plädiere dafür, endlich Raucherschutzgebiete einzurichten.“

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