Der US-Schlagersänger David Hasselhoff war vor anderthalb Jahren zu Gast im Musikantenstadl. Er trug ein schwarzes Glitzerjackett, hatte eine Alkoholikerphase hinter sich und wollte ein Buch vermarkten. Der Moderator fragte nach dem ersten Kuss und machte hölzerne Scherze. Diese Episode ist jetzt dem neuen FDP-Generalsekretär Patrick Döring eingefallen, der bisher über seine Fahrerflucht und den Zustand seiner Partei reden durfte. In der Saarbrücker Zeitung tat er kund, dass er als Zuschauer damals jenen Auftritt unpassend und peinlich fand – genauso unpassend und peinlich wie die nun auf einer Pressekonferenz in Berlin verkündete Zusammenarbeit von Ex-BDI-Chef Hans-Olaf Henkel mit den Freien Wählern.
Henkel trug kein Glitzerjackett, es gab auf der Pressekonferenz auch keine größeren Lustigkeiten, und wenn, dann waren sie ungewollt. Dafür gab es jede Menge Angriffe auf die FDP, die Henkel und Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger, der mit seiner Truppe bei der Bundestagswahl antreten will, für überflüssig erklärten. In der Rheinischen Post bemerkt der Chemnitzer Politologe Eckhard Jesse, die Freien Wähler könnten die Liberalen zwei bis drei Prozentpunkte kosten. Das sind im Zweifel die Punkte, die über den Wiedereinzug in den Bundestag entscheiden. Das ist so unangenehm, dass vielleicht auch ein schiefer Vergleich recht ist.
Zeitungen bewerten die Kooperation des Ex-Industriemannes Henkel mit den Freien Wählern skeptisch: Mehr Show als Inhalt, heißt es. Henkel treffe zwar mit seiner Kritik am Euro und dem Ruf nach mehr Bürgerbeteiligung den Nerv vieler Politikverdrossener, schreibt die Augsburger Allgemeine. „Allerdings hat man nicht selten das Gefühl, dass sich da einer um jeden Preis selbst profilieren will. Insofern hat Henkel mit Hubert Aiwanger den passenden Partner gefunden.“ Das Neue Deutschland erinnert, Henkel habe Thilo Sarrazins Anti-Islam-Schelte unterstützt und äußere sich gerne in der rechtslastigen Jungen Freiheit.
Die Erfolgsaussichten der Freien Wähler betrachtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. „Helfer, die Landesverbände beleben, Programmdiskussionen führen, Plakate kleben und im Internet Überzeugungsarbeit leisten“ seien nicht in Sicht. Alleine die Unterstützung durch Prominente sei sicherlich nicht ausreichend. Die Heilbronner Stimme gibt zu bedenken, dass die plakateklebende Parteibasis der Freien Wähler nicht über das Europathema motivierbar sei, das Henkel so betont. Sie hätten in den Kommunen bisher als Zusammenschluss pragmatischer Bürger gegen Parteienzwänge Erfolg gehabt. „Genau dieses Modell wird nun aufgegeben. Aiwanger führt die Freien Wähler nicht nur nach vorne, sondern auch in die Zerreißprobe.“
Kann sein, meint die Süddeutsche Zeitung, die Aiwanger schillernd und unstet findet. Zu rechnen sei mit ihm aber auf jeden Fall. Er werde „gleichzeitig unter- und überschätzt“.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
Olivia Schoeller berichtete zuvor aus Washington
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