Die Deutschen werden immer reicher. Genauer gesagt: die reichen Deutschen. Das ergab wieder einmal der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, in dem es nüchtern heißt, dass es eine „sehr ungleiche Verteilung der Privatvermögen“ gebe. Anders gesagt: Die reichsten zehn Prozent der Haushalte besitzen die Hälfte des Nettovermögens im Lande. Die unteren 50 Prozent verfügen dagegen über nur gut ein Prozent des Nettovermögens.
Der Bericht hält, so die Stuttgarter Zeitung, „die Ungerechtigkeiten quasi regierungsamtlich fest. Demnach werden relativ wenige Menschen trotz der Krisenjahre immer wohlhabender ... Man mag die Reaktionen speziell aus dem linken Lager als reflexhaft empfinden. Doch wird klar, dass es so wie bisher nicht weitergehen kann, sonst wird der Staat handlungsunfähig. Inhaber großer Vermögen müssen künftig mehr zum Wohl des Gemeinwesens beitragen“.
Die taz sieht durchaus Parallelen zwischen der Vermögensverteilung bei uns und in den USA – aber auch, zumindest rhetorisch, Unterschiede. In Deutschland etwa würde kein Politiker die Hälfte der Wähler als Schmarotzer diskriminieren, wie es Mitt Romney getan hat. „Ein solches Verhalten scheint in Deutschland undenkbar, wo sämtliche Politiker um die ‚Mitte‘ werben und inhaltliche Unterschiede von der CDU bis Grün kaum zu erkennen sind.“ Romney habe den Klassenkampf von oben erklärt: Wer arm ist, hat selbst Schuld. Noch kommt uns Romneys Deutung der Gesellschaft typisch amerikanisch vor.
„Sie könnte aber zukunftweisend sein“, meint die taz. „Denn in Deutschland klafft eine riesige Lücke zwischen politischer Inszenierung und sozialer Realität. Während sich alle Parteien in der ‚Mitte‘ drängeln, erodiert die Mittelschicht. Wie in den USA konzentriert sich das deutsche Volksvermögen auf wenige Familien, wie der neueste Armuts- und Reichtumsbericht ausweist. Gleichzeitig hat die untere Hälfte der Bevölkerung gar keinen Besitz, sondern höchstens Schulden.“ Auf den Punkt gebracht: „Auch Deutschland ist eine Klassengesellschaft.“
Leitartikel, Analysen und Kolumnen unserer Autoren und Korrespondenten
"Was können die Leserinnen und Leser jetzt tun, um der Frankfurter Rundschau zu helfen?", fragte die FR den Insolvenzverwalter Frank Schmitt im Interview.
Seine Antwort: An den Kiosk gehen und die Frankfurter Rundschau kaufen und Anzeigen schalten. "Alles, was aktuell zum Umsatz beiträgt, ist hilfreich."
Die Zeitung erhalten Sie aktuell im Solidaritäts-Abonnent.
Die preisgekrönte FR-App bekommen Sie ebenfalls im Abo als Paket mit unserem E-Paper oder im Einzelverkauf im App-Store und bei Google Play.
Anzeigen sind möglich in Zeitung, App und auf der Website. Der Verlag informiert über die Konditionen.
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.