Der Berliner Kulturstaatssekretär André Schmitz ist als stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zu einer gewissen Neutralität verpflichtet. Doch kürzlich behauptete er in der Berliner Morgenpost, der Streit um die mittlere Zukunft der Berliner Gemäldegalerie – die Modernen Meister sollen in deren bisheriges Haus, die Neue Gemäldegalerie am Kulturforum, einziehen? – dieser Streit also sei nur „Sommertheater“, angestiftet von erinnerungsschwachen Feuilletonisten.
Kaum verwunderlich, dass die Stiftung bei solcher Rückendeckung durch ihre Kontrolleure nicht ins Gespräch mit ihren Kritikern eintritt, wie Willibald Sauerländer in der Süddeutschen Zeitung, moniert, sondern teure Werbebroschüren herstellen lässt. Geld, das besser in einen internationalen Planungskongress fließen könnte, denkt man sich unwillkürlich. Denn dank einer kleinen Anfrage der Bundestagsabgeordneten Priska Hinz (Die Grünen) ist inzwischen klar, dass die 10 Millionen Euro für den Umbau der Gemäldegalerie ohne Folgenabschätzung genehmigt wurden. Etwa die dadurch notwendige Deponierung wesentlicher Bestände der berühmten Sammlung Alter Meister. Genau dagegen protestieren inzwischen fast 13.000 Fachleute aus aller Welt auf der „Hamburger-Petition“ aus Harvard. Alles uninformierte Erinnerungsschwache, Herr Schmitz?
Die schiere Planlosigkeit innerhalb der Stiftung zeigt sich an den diversen Unterbringungsvorschlägen für die Alten Meister. Wilhelm von Boddien, Spendensammler für die Schlossfassadennachbau, schlägt in der Berliner Morgenpost vor, sie wie einst die Schätze des Museum of Modern Art durch Deutschland zu schicken: Das habe „damals gut Geld verdient!“
Dabei beklagen Restauratoren, dass Kunstwerke viel zu oft durch die Welt geschickt werden. Andreas Kilb ist aber konservatorisch ähnlich tolerant. Er hält in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zwar das als Zwischenlagerungsort ins Gespräch gebrachte Kronprinzenpalais für die Alten Meister bautechnisch nicht geeignet. Moderne Kunst aber könne hier durchaus ausgestellt werden. Sind deren Werke etwa robuster? Und Hanno Rauterberg berichtet in der Wochenzeitung Die Zeit über Überlegungen, in der Stiftung, den Martin-Gropius-Bau zu nutzen. Dabei ist der das einzige für große Wanderausstellungen geeignete Haus Berlins. Ein Verzicht darauf ist undenkbar.
Das „Sommertheater“ dürfte also noch einige Zeit andauern. Zumal der Blick in die Museumsgeschichte bisher nur wenig gewinnbringend eingesetzt wurde. Tilmann von Stockhausen zeigt uns zwar in der Süddeutschen Zeitung, dass keine andere Gemäldegalerie Europas derart viele Umzüge und Umbauten hinter sich hat wie die Berliner. Sechs sind es bisher. Doch warum soll diese Umzugsgeschichte nun ein Ende finden, wie es Stockhausen mit Verweis auf die vielgerühmten Lichtqualitäten der Neuen Gemäldegalerie folgert?
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