Aktuell: Wochenend-Magazin FR7 | FR-Recherche: Medikamententests an Heimkindern | Türkei | Flüchtlinge in Deutschland und Europa | US-Wahl
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Meinung
Kommentare, Kolumnen, Analysen

01. August 2012

Auslese zu Prantl: Angerührtes Dressing-Desaster

 Von Harry Nutt
Heribert Prantl.  Foto: dapd

Nachdem sich die Süddeutsche Zeitung um Schadensbegrenzung im Fall Prantl bemüht hat, kommentieren Journalisten-Kollegen von anderen Blättern die Küchentisch-Affäre um den Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Voßkuhle, auf ihre Weise.

Drucken per Mail

In der Küchentisch-Affäre ihres Star-Journalisten Heribert Prantl war die Süddeutsche Zeitung zuletzt um Schadenbegrenzung bemüht. In einer Reportage über den Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, hatte Prantl den Eindruck einer intimen Nähe des Autors zu seinem Gegenstand erweckt. „Bei dieser Schilderung konnte der Eindruck entstehen“ erklärte die SZ, „Prantl sei selbst Gast im Hause Voßkuhle gewesen. Das war nicht der Fall. Der Autor hat sich die Szene vielmehr von Teilnehmern der Küchenrunde schildern lassen, ohne dies ausdrücklich kenntlich zu machen“. Und weiter: „Die Redaktion bedauert diesen Fehler.“

Rotwein und Rechthaberei

Solch eine Erklärung kann die Kollegen anderer Blätter nicht davon abhalten, weitere Energien auf die Prantlschen Zubereitungsarten zu verwenden. Mit einer flotten Paraphrase und Zitatcollage versucht sich Alan Posener in der Welt. „Jeder hat seinen Part, jeder hat was zu schnippeln, zu kochen und zu kneten, aber nur einer etwas zu reden und zu bestimmen, nämlich Prantl. Es geht um das richtige Fleisch (...) Es geht um richtigen Journalismus: ‚Was fehlt, ist die Ethik. Verantwortung. Moral.‘ Prantl hantiert mit der Teflon-Pfanne – ‚scharf anbraten ist das Geheimnis‘ – und löscht das Fleisch mit einer Soße aus Rotwein und Rechthaberei. Man ahnt, wie er als Mitglied der Chefredaktion und Autor der Süddeutschen Zeitung agiert. Mögen andere recherchieren, Prantl komponiert. Was entsteht, ist, wie er Eingeweihte wissen lässt, ‚eine gleichnishafte Zusammenfassung‘, bei der Erlebtes und Erdachtes eine Einheit bilden, wie rohe und gekochte Kartoffeln bei Klößen halb und halb.“

Selbstironische Empörung

Mit einem Schuss selbstironischer Empörung würzt indes Silke Burmester ihre Prantl-Kolumne in der taz. „Prantl hat also nicht nur unredlich gearbeitet, er hat auch noch Scheiß erzählt. Unwahrheiten. Und das Heribert Prantl! Moralisches Sturmgeschütz und einer der besten Klugschreiber unserer Branche! Da dreh ich mich doch in meinem Schützengraben dreimal um! Ich könnte ausflippen, dass es ausgerechnet jene sind, die in diesem Beruf alles erreicht haben, wonach man sich als Journalistin sehnen kann – Ruhm, Ehre, Geld –, die die letzten Krümel Ansehen, von denen dieser Berufsstand noch zehrt, vom Tisch fegen. Scheiße, Prantl! Scheiße! Dass jetzt bei der Süddeutschen diskutiert wird, ob Heribert Prantl noch geeignet ist, für die renommierte Seite Drei zu schreiben, macht die Auswirkungen von Prantls selbst angerührtem Dressing-Desaster deutlich. Hach, jetzt habe ich mich so aufgeregt, dass mir alles, was sich sonst noch ereignet hat, wie Pipifax vorkommt.“

Andere gehen aber eher locker mit dem Kollegen aus München um. Harald Staun befand bereits zu Beginn der Affäre in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: „Wer so nett über einen schreibt: Den hätte man ruhig mal zum Essen einladen können.“

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus den Inland und Ausland, Analysen und Kommentare.

Italien und Österreich

Steht die EU nicht zusammen, droht ihr Ende

Von  |
Kein EU-Freund: In Österreich greift der Rechtspopulist Norbert Hofer nach der Macht.

Die Europäische Union hat nur eine Zukunft, wenn Österreich, Italien und Frankreich dem Populismus widerstehen. Der Leitartikel.  Mehr...

Cyberangriff Telekom

Freude am Systemabsturz

Von  |
Sicherheitskongress der Telekom in Frankfurt.

Das Gefühl der permanenten Bedrohungslage hat die Normalität abgelöst. Und die Frage, wie wollen wir leben, wird ersetzt durch den Ausruf: So kann es nicht weitergehen. Der Leitartikel.  Mehr...

 

Verlagsveröffentlichung


Der Kampf um die Startbahn West +++ Tschernobyl-Katastrophe erreicht Frankfurt +++ Attentate erschüttern Rhein-Main-Gebiet +++ Der Main erhält ein Museumsufer +++ Hochhäuser in Frankfurt

Dossier


Millionen Menschen verlassen ihre Heimat. Sie fliehen vor Krieg oder Umweltschäden; sie suchen Arbeit, ein besseres Leben. Nicht wenige sterben, etwa vor Lampedusa. Andere schaffen es nach Deutschland - und werden hier nicht immer gut behandelt.

Übersichtsseite - alles auf einen Blick.

Zuwanderung in Frankfurt und Rhein-Main.

Schicksale - die betroffenen Menschen.

Lampedusa - Europa schottet sich ab - die Folgen.

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Meinung