Aktuell: Terror in Paris | Kolumne "Gastwirtschaft" | Skispringen, Wintersport | Pegida | Flucht und Zuwanderung | Eintracht Frankfurt

Meinung
Kommentare, Kolumnen, Analysen

27. Juni 2013

Auslese zur Homo-Ehe: "Ein Sieg im Kleinen"

 Von 
In San Francisco gehen nach dem Urteil zur Homo-Ehe Tausende auf die Straße.Foto: rtr

Das amerikanische Urteil zur Homo-Ehe trifft in den deutschen Medien nicht nur auf Zustimmung, sondern auch auf Skepsis. Es gäbe auch Schwächen in der Entscheidung des Gerichtes. Die Frage etwa, ob gleichgeschlechtliche Ehen ein verfassungsmäßiges Recht darstellen, bleibt unbeantwortet

Drucken per Mail

Das amerikanische Urteil zur Homo-Ehe trifft in den deutschen Medien nicht nur auf Zustimmung, sondern auch auf Skepsis. Es gäbe auch Schwächen in der Entscheidung des Gerichtes. Die Frage etwa, ob gleichgeschlechtliche Ehen ein verfassungsmäßiges Recht darstellen, bleibt unbeantwortet

In den USA müssen gleichgeschlechtlichen Partnern künftig die gleichen Rechte eingeräumt werden, wie sie für heterosexuelle Ehepaare gelten. Diese Entscheidung des Obersten Gerichtshofs findet in der deutschen Presse große, ganz überwiegend positive Resonanz.

Nach Ansicht Jan Feddersens von der „taz“ handelt es sich bei dem Urteil zwar nicht um den großen Wurf, nur um einen Schritt in die richtige Richtung, aber Feddersen ist auch damit zufrieden: „Natürlich könnte man jetzt sagen, dass auch in den USA dem schwulen und lesbischen Weg der bürgerrechtlichen Gleichheit vor dem Gesetz mal wieder nicht alles eingeräumt wurde. Davon abgesehen, dass noch für jede kleingehaltene Gruppe der Kampf um Anerkennung und gleichberechtigte Teilhabe am politischen Leben zäh war. Afroamerikaner, aber auch Frauen wissen viele Strophen von jenem Lied zu singen: Man muss sich erstreiten, was einem vorenthalten wird. Gleiche Bildungschancen, Verbot der Sklaverei, das Wahlrecht und so weiter. Aber Siege im Kleinen schmecken oft besser als solche, die per Dekret einfach erlassen werden. Für die mehr und mehr Unterlegenen, die ideologisiert Heterosexuellen, sind das keine guten Nachrichten. Mögen sie durch ihre Götter getröstet werden – wer sollte es denn sonst tun?“

"Der heutige Tag wird die Debatte verändern"

Marcus Pindur vom Deutschlandfunk erwartet, dass das Urteil weit über die Vereinigten Staaten hinaus die Diskussion über die Homo-Ehe beeinflussen wird: „Gesellschaftliche Diskriminierung von Homosexuellen wird dadurch nicht verschwinden – genauso, wie Rassismus nicht wegdekretiert werden kann. Ironisch ist, dass Präsident Obama den ersten Kommentar dazu auf seiner heute beginnenden Afrikareise in Senegal abgeben wird, einem Land, in dem Homosexualität gesetzlich verboten ist. Doch der heutige Tag wird die Debatte international verändern – übrigens auch in Deutschland, wo die homosexuelle Ehe ja immer noch auf sich warten lässt. Diese beiden Urteile werden die Grundlage bilden für eine weitreichende gesellschaftliche Emanzipation – in den USA und darüber hinaus. Und: Sie werden den Kindern in Homosexuellen-Ehen zeigen, dass die Liebe ihrer Eltern gleich ist derer anderer Eltern.“

Eine deutlich skeptischere Haltung nimmt Thorsten Schröder von „Zeit online“ ein. Für ihn überwiegen klar die Schwächen der Entscheidung: „Gleich nach dem Urteil mobilisierte die Gegenseite ihre Kräfte. Mächtige Vertreter wie die National Organization for Marriage kündigten an, ein verfassungsrechtliches Verbot anzustreben. Trotz der wichtigen Urteile bleibt die Frage, ob gleichgeschlechtliche Ehen ein verfassungsmäßiges Recht darstellen, unbeantwortet. Auch die Gesetze der Bundesstaaten, die die Homo-Ehe verbieten, bleiben unangetastet. Und Bundesstaaten sind weiterhin nicht verpflichtet, in anderen Staaten geschlossene Ehen anzuerkennen.“

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Anzeige
Ressort

Leitartikel, Analysen und Kolumnen unserer Autoren und Korrespondenten


Leitartikel

Engagiert Euch!

Von  |
Die Pegida-Anhänger in Dresden.

Versuchen Sie mehr Einfluss zu nehmen. So, wie es viele ihrer Nachbarn längst tun, im Westen und im Osten des Landes. Erst dann können Sie sagen, es würde Ihnen niemand zuhören. Mehr...

Ölpreis

Wem Billig-Öl schadet

Arbeiter an einer Öl-Pipeline.

Günstige Energie ist gut – aber sie muss aus der richtigen Quelle stammen, Öl ist die falsche. Der Druck schwindet, in eine umweltfreundlichere Zukunft zu investieren. Der Leitartikel. Mehr...

Terror und Meinungsfreiheit

Die Grenzen der Freiheit

Eine Litfaßsäule mit "Je suis Charlie"-Karikaturen beim Zeitungsverlegerverband in Berlin.

Gegen Terror und Pegida, für Freiheit, Demokratie und Vielfalt zu demonstrieren, ist gut und richtig. Aber wer Freiheit leben will, muss auch über ihre Grenzen reden. Nicht aus Angst, sondern aus Überzeugung. Der Leitartikel. Mehr...

Griechenland

Schaden für Europas Linke

Ein Schuldenschnitt ist in vielen Ländern der EU politisch nur schwer durchzusetzen, weil er letztlich auch auf Kosten der Steuerzahler geht.

Dass Griechenlands neuer Premier ausgerechnet eine Koalition mit den Rechtspopulisten eingeht, ist ein schlechtes Omen. Man kann nur hoffen, dass Syriza nicht daran zerbricht. Der Leitartikel. Mehr...

Leitartikel

Pegidas politische Stichwortgeber

Auch wenn die Teilnehmer es nicht glauben wollen: Einen Großteil ihrer Parolen bezieht die Pegida-Bewegung aus der Politik.

In den Parolen der Islam- und Ausländerfeinde spiegelt sich der Geist der Ausgrenzung, der auch die Flüchtlings- und Migrationspolitik der vergangenen Monate beherrscht hat. Mehr...

Leitartikel

Die europäische Frage

Der Vorsitzende des  Linksbündnisses Syriza, Alexis Tsipras, gibt seine Stimme ab bei der Wahl in Griechenland am Sonntag.

Nicht eine linke Partei in Griechenland ist das Problem der EU, sondern die soziale Spaltung, die Unzufriedenheit nährt. Und leider auch Populisten, die die Schuld immer bei Fremden suchen. Mehr...

Muslime in Deutschland

Die Heimat der Muslime

Muslime beim Nachmittagsgebet  in der Eyüp-Sultan-Moschee in Nürnberg.

Es gibt in diesem Land eine Vielzahl demokratischer islamischer Initiativen und Organisationen. Es wäre für sie an der Zeit, sich zu einer gemeinsamen Plattform zusammenzuschließen. Der Leitartikel. Mehr...

Papst Franziskus

Den Worten müssen Taten folgen

Papst Franziskus spricht von einer moderneren katholischen Kirche. Doch den Worten des Pontifex müssen auch Taten folgen.

Wenn er die Kirche wirklich verändern will, muss Papst Franziskus seinem Vorstoß zur Familienplanung Taten folgen lassen – und die traditionelle Lehre reformieren. Der Leitartikel der FR beschäftigt sich mit den Nachwirkungen der päpstlichen Worte. Mehr...

Weltwirtschaftsforum in Davos

Sozialstaat muss für Balance sorgen

Auf dem Weltwirtschafsforum in Davos wird zur Zeit auch über das Thema Ungleichheit diskutiert.

Der Graben zwischen Arm und Reich wird immer tiefer. Wenn die Politik nicht eingreift, werden Globalisierung und Digitalisierung die Gegensätze immer weiter verschärfen. Der Leitartikel. Mehr...

Pegida Demonstrationen

Der Freiheit droht der Bankrott

In Dresden durfte am Montag nicht demonstriert werden.

Der Staat sollte nicht alles tun, um die innere Sicherheit zu gewährleisten. Er muss vielmehr alles unterlassen, was im Streben nach dieser Sicherheit die Freiheit seiner Bürger einschränkt. Der Leitartikel. Mehr...

Anzeige