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Kommentar zur Atomkatastrophe: Ausstieg forcieren

Noch gibt es einen Rest Hoffnung, dass in Japan die ganz große Katastrophe vermieden werden kann. Aber auch die Vorstufe dazu, die im AKW Fukushima mindestens erreicht wurde, ist Grund genug, der Ausstieg aus der Atomkraft endlich zu forcieren.

Polizisten mit Atemschutzmasken leiten die Evakuierung in der Nähe des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi.
Polizisten mit Atemschutzmasken leiten die Evakuierung in der Nähe des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi.
Foto: REUTERS

Die Evakuierung läuft, die Ausgabe von Jod-Tabletten wird vorbereitet, die AKW-Betreiber versuchen verzweifelt, die Kühlung ihres havarierten Reaktors wieder herzustellen - es ist das atomare Horror-Szenario, vor dem sich die Welt fürchtet. Noch gibt es einen Rest Hoffnung, dass in Japan die ganz große Katastrophe wie in Tschernobyl vermieden werden kann. Aber auch die Vorstufe dazu, die im AKW Fukushima mindestens erreicht wurde, ist Grund genug, der Ausstieg aus der Atomkraft endlich zu forcieren.

Denn diesmal hat es nicht einen maroden Sowjetreaktor erwischt, wie das 1986 in Tschernobyl der Fall war, keine fehlkonstruierte russische Plutonium-Maschine. Damals und seither brüsteten sich die AKW-Bauer in Europa, Nordamerika und Japan, dank der überlegenen westlichen Nukleartechnik sei ein schwerer Unfall praktisch ausgeschlossen. Der Super-GAU nur ein „Restrisiko“. Jedes der Länder, ob Deutschland, die USA oder eben Japan, rühmte sich, die weltbesten Reaktoren zu haben. Alles mehrfach abgesichert, alle denkbaren Probleme im Griff, für alle Eventualitäten vorbereitet.

Die Fukushima-Havarie zeigt: Es stimmt einfach nicht. Unglaublich: Sogar in einem Land, in dem das Bewusstsein für die Gefahr von Erdbeben groß ist wie in keinem anderen, bauten die AKW-Betreiber zu schwach ausgelegte Anlagen. Für ein Beben der Stärke 8,9 wie am Freitag und eine entsprechend verheerende Tsunami-Welle war kein einziger der 55 japanischen Reaktoren eingerichtet. Auch die nach dem schweren Erdbeben von Kobe 1995 angeordneten Nachrüstungen in den Anlagen reichten nicht aus, um in Fukushima eine sichere Not-Abschaltung zu garantieren. Ohnehin ist es praktisch unmöglich, alte - das heißt veraltet konzipierte - Meiler auf den nötigen Standard zu bringen. Das weiß jeder Reaktorexperte. Der Öffentlichkeit erzählen AKW-Betreiber und Pro-Atompolitiker das lieber nicht.

Es dürfte kaum Zufall sein, dass in Japan nun gerade einer der Alt-Meiler mit einem Reaktor-Design aus den 1960er Jahren havarierte. Eine Warnung für alle Nation, die Atomkraftwerke betreiben. Der Schluss daraus: Die AKW dürfen keine Laufzeitverlängerung bekommen, wie das seit ein paar Jahren fast überall in West und Ost Mode ist, weil das den Betreibern hohe Profite bringt. Ganz im Gegenteil: Diese Alt-Reaktoren müssen beschleunigt von Netz. In Deutschland hatte man das vor einem Jahrzehnt schon einmal begriffen, nämlich, als Rot-Grün mit den Stromkonzernen den Atomausstieg aushandelte. Für die schwarz-gelben Risiko-Verlängerer in Berlin muss Fukushima Grund genug sein, ihn wieder in Kraft zu setzen. Noch können sie ihren Irrweg korrigieren.

Menschenkette gegen Atomkraft

Bildergalerie ( 17 Bilder )
Autor:  Joachim Wille
Datum:  12 | 3 | 2011
Kommentare:  120
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