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Kommentar: Bitter ist das Ganze

Eine Vertrauenskrise ist das letzte, was die Weltorganisation brauchen kann. Doch wenn sich die Vorwürfe wegen versuchter Vergewaltigung nicht noch als Intrige erweisen, ist Dominique Strauss-Kahn am Ende – untragbar als Chef des Internationalen Währungsfonds und als Präsidentschaftskandidat ebenfalls.

Axel Veiel
Axel Veiel
Foto: FR

Das war’s wohl. Wenn sich die Vorwürfe wegen versuchter Vergewaltigung nicht noch als Intrige erweisen, ist Dominique Strauss-Kahn am Ende – untragbar als Chef des Internationalen Währungsfonds und als Präsidentschaftskandidat ebenfalls. Vielleicht stellt sich die ihm angelastete sexuelle Nötigung als nicht so drastisch heraus, wie dies in ersten Polizeiprotokollen aufscheint. Aber falls an den Vorwürfen etwas dran ist und der Mann sich nicht im Griff hat und sein Gegenüber, die Frau, so wenig respektiert, dann taugt er weder zum Repräsentanten einer Weltorganisation noch zum Repräsentanten Frankreichs.

Das ist zunächst bitter für den Betroffenen selbst, der dem einst bei den Entwicklungsländern verhassten, von den Industrieländern kaum noch zur Kenntnis genommenen IWF in der Finanzkrise zu neuem Ansehen verholfen hat. Bitter ist es aber auch für den Rest der Welt. Der Strauss-Kahn-Skandal erschüttert den IWF zu einer Zeit, da er mehr denn je als Schuldenkrisenmanager gefordert ist. Von Griechenland bis Portugal: Immer wieder flackern Brandherde auf, steht die Weltorganisation als Feuerlöscher in der Pflicht. Eine Vertrauenskrise ist da das Letzte, was sie brauchen kann.

Bitter ist das Ganze schließlich auch für die Franzosen. Wenn sie sich in Scharen zum früheren Wirtschafts- und Finanzminister bekannt hatten, dann deshalb, weil er am ehesten zu verkörpern schien, was das von Staatschef Nicolas Sarkozy enttäuschte Volk herbeisehnt: eine glaubhafte politische Alternative, wirtschaftlichen Sachverstand gepaart mit sozialer Sensibilität. Selten ist an einem Sonntag so viel zu Bruch gegangen wie am gestrigen.

Autor:  Axel Veiel
Datum:  15 | 5 | 2011
Kommentare:  10
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