Es gibt beneidenswertere Jobs als den des hessischen Innenministers, und das hat viel mit Ministerpräsident Volker Bouffier zu tun. Minister Boris Rhein jedenfalls hat seit seinem Amtsantritt vor neun Monaten vor allem damit zu tun, all das zu lösen, was sein Vorgänger Bouffier angerichtet hat.
Vor gut einem Jahr berief Bouffier eine neue Präsidentin an die Spitze des Landeskriminalamts: Sabine Thurau. Bei der Einführung pries er ihre „Führungskompetenz“. Damit allerdings war es, wie selbst ein Gericht festgestellt hat, nicht so weit her. Bouffier hätte es wissen können, denn die Machtkämpfe und Missstände im Frankfurter Präsidium unter der Vizepräsidentin Thurau waren schon damals intern bekannt.
Boris Rhein muss nun das fast Unmögliche schaffen: Die Besetzung, die sich nach dem Eindruck vieler Polizisten als Fehlbesetzung erwiesen hat, rückgängig machen, ohne den Regierungschef zu beschädigen. Es verdient Respekt, dass der junge CDU-Politiker das versucht, trotz des Risikos für seinen Parteichef.
Schon einmal hat der neue Innenminister einen engen Bouffier-Vertrauten wegen dessen unerträglichen Führungsstils beiseite geschoben: den damaligen Landespolizeipräsidenten Norbert Nedela. Der Polizei hat das gut getan, denn unter Nachfolger Udo Münch soll das Klima deutlich besser geworden sein.
Auch mit der Einführung eines Ansprechpartners für Polizisten in Mobbing-Fällen hat Rhein gezeigt, dass es ihm ernst ist mit einer „neuen Kultur“ in der hessischen Polizei. Doch alles, was er zum Besseren wendet, lenkt unweigerlich den Blick auf die Versäumnisse des Vorgängers.
Für die Beamten und für die Bürger, deren Sicherheit sie schützen sollen, zählen solche politischen Befindlichkeiten jedoch wenig. Sie benötigen vor allem eine gut funktionierende Polizei. Deswegen braucht Rhein eine glückliche Hand, wenn er die Nachfolgerin oder den Nachfolger von Sabine Thurau beruft.