Es kann kein Zweifel bestehen: Wenn 88 Prozent der Bundeswehr-Soldaten sagen, die laufende Reform werde nicht das letzte Wort sein, und zwei Drittel der Truppe mitteilen, sie würden ihren Job niemandem weiter empfehlen, dann sind das dramatische Zahlen. Sie sind im Übrigen aber auch nicht weiter verwunderlich. Denn die deutschen Streitkräfte werden reformiert seit 1989 die Mauer fiel und damit auch der alte, so lieb gewordene Feind.
Zunächst wurde die Bundeswehr mit der NVA fusioniert. Dann schrumpfte die Truppe von 500.000 auf bald 170.000. Die Soldaten campieren nicht mehr in Helmstedt, sondern in Prizren und Kundus. Und manchmal werden die Standorte im Ausland mittlerweile älter als die im Inland. Dass eine Bundeswehr, die derart unter Dauerdruck gerät, irgendwann die Lust zur Polonaise durch die Kaserne verliert, ist klar.
Die Kritik an den herrschenden Zuständen trifft insofern nicht den amtierenden Verteidigungsminister allein. Es stimmt, Thomas de Maizière ist kein besonders guter Kommunikator. Zuweilen setzt er zu sehr auf Befehl und Gehorsam. Da muss der CDU-Mann noch dazu lernen. Doch die Probleme gehen mindestens ebenso auf das Konto jener Vorgänger, die den Mut zu durchgreifenden Reformen nicht fanden, obwohl sich deren Notwendigkeit längst abzeichnete. Leider sind die schon über alle Berge.
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