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Kommentar: Deckel drauf

Die Einhausung der A661 ist für Frankfurts schwarz-grüne Koalition noch längst keine Akte, deren Deckel zu schließen wären – auch wenn die offizielle Absage des Bundes, ein solches Bauwerk zu finanzieren, seit 2009 vorliegt.

Wäre der wohnende Mensch nur ein Säugetier, er hätte es einfacher. Man baute ihm Landschafts- und Grünbrücken über Autobahnen, üppig bewachsene Querungen, die ihm die „Migration“ (so heißt das im Fachjargon) von der einen auf die andere Straßenseite leichter machten. In Baden-Württemberg, unweit des Bodensees, ragen solche grünen Brücken über Autobahnen, fulminante Bauwerke, dass es eine Freude wäre, dort Hirsch, Has’ und Sau zu sein.

Allein, der Mensch ist eben nicht nur Säugetier, und weil er in seiner Art noch nicht bedroht ist, muss er den Lärm und die Schadstoffe ertragen, die Autos und Lastwagen auf wohnortnahen Autobahnen ausstoßen. Das ist der Skandal, der inzwischen so alltäglich geworden ist, dass die miserable Lage nur noch wenige erregt. Vor diesem Hintergrund gebührt der Linken im Römer Dank, weil sie einen klugen Vorschlag gemacht hat, um dieses Elend zu lindern. Sie fordert die Einhausung der A661 im Bereich Bornheim und Seckbach und verbindet den Vorschlag mit dem Hinweis auf die mögliche städtebauliche Entwicklung und die Schließung der Landschaftslücke zwischen beiden Stadtteilen. Eine solche „Landschaftswunde“ zu heilen, hätte Vorteile für die Stadt. Und wie es aussieht, hat sich das eine oder Architekturbüro in Frankfurt auch darüber schon Gedanken gemacht.

Insofern ist die Einhausung der A661 für Frankfurts schwarz-grüne Koalition noch längst keine Akte, deren Deckel zu schließen wären – auch wenn die offizielle Absage des Bundes, ein solches Bauwerk zu finanzieren, seit 2009 vorliegt. Der Bund misst, aus welchen Gründen auch immer, in der Frage der Finanzierung solcher Projekte mit zweierlei Maß. Das zeigt die Einhausung der A3 bei Aschaffenburg, das zeigt die ebenso großzügige wie gerechtfertigte 400-Millionen-Euro-Gabe für den insgesamt 3,5 Kilometer (!) langen Deckel über der A7 in Hamburg.

Wer die Bewilligungsgrundlagen für die Förderung aus der Distanz würdigt, wird feststellen müssen, dass die Unterschiede zwischen den einzelnen Orten nicht sehr groß sind: Ob Nähe der Autobahn zur Wohnbebauung, ob Lärmbelastung oder Verkehrsaufkommen – bei allen drei Kriterien zeigt sich die achtspurig ausgebaute A661 als durchaus konkurrenzfähig.

Frankfurt muss im Schulterschluss mit dem Land deshalb erneut vorstellig werden in Berlin. Es kann und darf nicht sein, dass Bornheimer und Seckbacher beim Lärmschutz und bei der Stadtentwicklung in Frankfurt leer ausgehen und sich Stellinger und Schnelsener in Hamburg über einen Tunnel freuen, der Stadtteile verbindet und Ruhe schafft. Eine solche Ungleichbehandlung ist politisch untragbar.

Autor:  Jürgen Schultheis
Datum:  30 | 7 | 2010
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