Das Bett von Herrn S. ist gewaltig. Die Gitterstäbe gehen hoch bis zur Decke. Das hat der Sohn so gebaut, damit der Vater nicht aus dem Bett fallen kann. Herr S. verhält sich nicht mehr ganz „normal“ und hat einen gebrechlichen Körper. Deshalb wird er jetzt wie ein Gefängnis-Insasse durch die Bettstäbe versorgt. Der Sohn meint es gut, er will den Vater nicht ins Heim geben.
Das Ehepaar R. verbringt einen anscheinend ruhigen Lebensabend. Er ist 86 Jahre und noch recht rüstig, seine zwei Jahre jüngere Ehefrau leidet an einer leichten Demenz. Die beiden sind stark schwerhörig, die Verständigung ist schwierig. Einmal hat Frau R. das Bügeleisen auf das Radio gestellt. Passiert ist nichts, nur das Erscheinungsbild des Rundfunkgeräts hat gelitten. Ausgehen möchte Herr R. nicht gern: „Wenn sie mich und meine Frau sehen, wechseln die Leute die Straßenseite.“
Das muss gar nicht böse gemeint sein, da möchte jemand vielleicht nur einer Situation aus dem Weg gehen, der er sich nicht gewachsen fühlt. Deshalb muss mehr über Demenz geredet werden. Es gibt ein paar Spielregeln, die man kennen sollte, dann kann man in den allermeisten Fällen mit Kranken auskommen.
1,2 Millionen Demenzkranke leben derzeit in der Republik. Bis zum Jahr 2050 sollen es bis zu drei Millionen sein. Die kann man nicht ausgrenzen oder gar wegsperren, wie das überforderte Angehörige aus Hilflosigkeit offenbar immer wieder tun.
Für eine Stadt wie Frankfurt muss die Integration von alten Menschen genauso ein Schwerpunkt sein wie die Integration der Menschen aus anderen Ländern und Kulturen. Alle sollen teilhaben am öffentlichen Leben. Wie viele alte Menschen gibt es, die – körperlich nicht mehr so fit – allein zurückgezogen in ihrer Wohnung leben. Die schlimmste „Krankheit“ ist die Einsamkeit.
Rücksichtnahme, Verständnis, Nachsicht – es sind die alten Tugenden, die den Umgang mit Senioren, die ein Handicap haben, erleichtern. Wer sie ausgrenzt, überlässt sie einem Teufelskreis. Ohne Bewegung verkümmert der Körper, nimmt die Gebrechlichkeit zu. Ohne soziale Kontakte verkümmert die Seele.
Wie derzeit an der Fachhochschule gearbeitet wird, ist vorbildlich. Da setzen sich verschiedene Disziplinen zusammen und denken über Lösungen nach – auch und gerade über technische. Demenzkranken, die gern viel laufen, könnte eine GPS-Maus helfen. Die Betreuer wüssten dann immer, wo sich ihr Schützling befindet. Ein ganzes Paket an pragmatischen Ideen wird da geschnürt. Und es wird individuell geguckt, was macht bei wem Sinn. Von dieser Art Forschung wünscht man sich mehr. R 10