Der Ton wird schärfer zwischen dem Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback und der Generalbundesanwältin Monika Harms. Vor wenigen Wochen veröffentlichte der Chemieprofessor Michael Buback sein Buch "Der zweite Tod meines Vaters". Erneut erhebt er darin den Vorwurf, der Mörder, genauer gesagt die Mörderin, seines Vaters sei bis heute nicht ermittelt. Mehr noch: Die Bundesanwaltschaft habe Teile der Ermittlungsakten manipuliert, die auf die Spur der Ex-Terroristin Verena Becker führten. Warum wird Becker geschont? Weil sie mit dem Verfassungsschutz zusammenarbeitete, schon vor dem Attentat. Das solle vertuscht werden. Die Bundesanwaltschaft ist verärgert. Dass der Sohn Klarheit haben will, wer seinen Vater erschoss, verstehen die Ermittler. Dass Bubacks Sohn die Fakten falsch darstellt, geht ihnen zu weit.
Monika Harms und der Leiter der Terrorismusabteilung, Rainer Griesbaum, nahmen am Freitag die Jahrespressekonferenz zum Anlass, die Vorwürfe zu entkräften. Verschiedene Zeugen haben eine Frau gesehen, sagt Sohn Michael. Aber in den Akten finden sich die Aussagen nicht mehr. Falsch, sagt Griesbaum. Die Aussagen sind vorhanden. Aber ebenso die Aussagen der Zeugen, die nur drei Männer gesehen haben. Es wurde nie nach einer Frau gefahndet, sagt der Sohn. Falsch, sagt die Bundesanwaltschaft. Am 7. April 1977 wurde um 10.50 Uhr nach zwei Personen auf einem Motorrad gefahndet, Beifahrer sei "wahrscheinlich eine Frau". Aber Verena Becker hatte bei ihrer Verhaftung die Tatwaffe bei sich, mit der Siegfried Buback erschossen wurde, sagt Buback junior. Das ist so nicht richtig, sagt der Bundesanwalt. Die Tatwaffe war im Rucksack von Günter Sonnenberg, der zusammen mit Verena Becker verhaftet wurde. Sonnenberg galt aber immer als einer der Buback-Mörder.
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Die bei dem Anschlag verwendeten Motorradhelme wurden nicht richtig untersucht, sagt Michael Buback. Dort fand man ein Haar, das auf eine Frau deute. Falsch, sagt die Bundesanwaltschaft. Die Spuren im Helm wurden untersucht, zuerst 1977, noch einmal 2007. Sie stammen von Männern. Ermittelt wurde die Blutgruppe A. Verena Becker hat Blutgruppe B.
Becker war Mitarbeiterin des Verfassungsschutzes, sagt Buback. Ja, aber erst 1981, sagt der Geheimdienst. Als Michael Buback vor zwanzig Monaten erstmals öffentlich anzweifelte, dass mit Christian Klar, Günter Sonnenberg und Knut Folkerts die richtigen RAF-Terroristen als Mörder seines Vaters verurteilt wurden, gingen die Karlsruher Staatsanwälte von einem Missverständnis aus. Als Naturwissenschaftler kenne Michael Buback nur die exakte Wahrheit, nicht die Wahrheit der Juristen. Für den Strafrechtler ist auch der ein Mörder, der den Tatplan ausheckt, das Fluchtauto fährt oder Schmiere steht. Ob er selbst geschossen hat oder nicht, spielt für den Juristen keine entscheidende Rolle.
Inzwischen bezweifeln die Karlsruher Ermittler, dass es sich nur um ein Missverständnis handelt. Vier Stunden sprachen sie vergangenen Montag mit Michael Buback alle Einzelheiten durch. Danach las er in einer Veranstaltung aus seinem Buch. Das Gespräch mit der Bundesanwaltschaft erwähnte er nicht. "Unsere Argumente erreichen ihn nicht mehr", meint ein Insider.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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