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20. Juni 2008

Die Mauer besteht nicht nur aus Beton und Draht

Zu: "Alptraum Gaza", FR-Politik vom 11. Juni

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Als ich am vergangenen Mittwoch nach einem fünftägigen Aufenthalt aus Gaza zurückkam, fand ich den o.g. Artikel Ihrer Korrespondentin und war doch etwas konsterniert über deren Schilderung. Ich hatte mit Kollegen aus dem Gesundheitswesen gesprochen, u. a. mit Dr. Tawahina vom Gaza Community Mental Health Program, aber auch z.B. mit Pater Manuel Musallam, dem Leiter einer katholischen Schule dort, und all diese keineswegs der Hamas zugehörigen Gesprächspartner stellten in erster Linie nicht die Fehler der Hamas, sondern den völkerrechtswidrigen Belagerungszustand und die ökonomische Strangulation durch die israelische Regierung in den Vordergrund, wenn es um die miserable Situation im Gaza-Streifen ging. Gemeinsam war diesen Aussagen auch das tiefe Unverständnis, dass die westliche Welt, darunter führend auch die EU, diese völkerrechts- und menschenrechtswidrige kollektive Bestrafung unwidersprochen hinnimmt und mitträgt.

Hierzu mag beitragen, dass die Mauern eben jetzt nicht mehr nur aus Betonelementen und Drahtzäunen um die palästinensischen Gebiete bestehen, sondern dass auch in den Medien Informationen so gefiltert und aufbereitet werden, dass die westliche Öffentlichkeit nicht weiter beunruhigt wird über den Beitrag, den die eigenen Regierungen an solch krimineller Politik leisten. Leider trägt Ihre Korrespondentin durch Verharmlosung, Auslassungen und Verschiebungen von Verantwortlichkeiten zu diesem Mauerbau bei, und das nicht erst mit dem jüngsten Artikel.

Der auch von Frau Günther zitierte Dr. Tawahina wies uns auf die Langzeitwirkungen der aktuellen Situation hin, die durch die Quasi-Gefangennahme von 1,4 Millionen Menschen unter den Bedingungen des generalisierten Mangels und des fast täglichen Terrors durch Luft- und Panzerangriffe gekennzeichnet ist. Er zog Parallelen zu den Erfahrungen der palästinensischen Jugendlichen, die während der ersten Intifada für Steinwürfe mit dem Brechen ihrer Arme bestraft wurden: Aus dieser Generation seien die Selbstmordattentäter hervorgegangen.

Matthias Jochheim, IPPNW, Frankfurt

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