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Kolumne: Eine Hochzeit und ein Todesfall

In England haben sich zwei Menschen gefunden. In Pakistan ist einer von uns gegangen. Und die FDP kämpft noch.

Thomas Reis
Thomas Reis
Foto: privat

Verliebte Menschen schleppen sich zum Altar, da schwören sie sich, bis dass der Tod uns scheidet, und dann warten sie vergebens. Sie bleiben aber zusammen, um ein Gespräch zu vermeiden, und nach 20 Ehejahren sagt die Nachtigall zu ihrem Mann: Na, Spatz. So kann man sich irren.

Früher oder später fragt sich jeder: Habe ich meinen Partner wirklich selbst geheiratet? Das wird auch William widerfahren. Kate hingegen blickt einer durch und durch hoffnungsfrohen Zukunft entgegen, denn von Rechts wegen ist die Ehe kein Liebes-, sondern ein Eigentumsverhältnis, wobei unklar ist, wer wem gehört. In der Ehe stellt sich immer die Frage: Bin ich oder werde ich besessen?

Diese Frage ist für Prinzen, ergo Männer, unerheblich, für den Prinzen (Mann) ist die Ehe stets eine Verbindung fürs Leben, eine Bankverbindung, aber das schadet nichts, denn durch ökonomische Opfer macht sich der Mann sein Leid erst erfahrbar. Noch schwelgen die frisch Vermählten in hüpfenden Hormonen, aber wir wissen spätestens seit Lady Di, übrigens ein perfider Imperativ, auch bei ehelichen Beziehungen der Familie Windsor ist nicht immer Licht am Ende des Tunnels.

Wer so fromm ist wie Osama bin Laden, den interessiert das Dunkel nicht, dem ist piepegal, ob er sich oder andere an die Wand fährt, der glaubt prinzipiell an das Licht, auch wenn es ihm ausgeknipst wird. Das ist geschehen, wenngleich Osamas Ausscheiden aus dem Berufsleben weniger Zuschauer verfolgten als Kates Start in die Werktätigkeit einer Prinzessin. Das Fernsehduell entschied Kate mit 3000000000 zu 17 für sich. Nicht eine deutsche Fernsehanstalt übertrug die Erschießung Osamas, das ist schade und sollte uns Sinn und Zweck der GEZ neu überdenken lassen.

Osama, es hat ihn wohl doch gegeben, den Fallafel-Yeti. Jahrelang hielt ich Lichter, Lafer und die Heerschar weiterer Topfterroristen für die konkretere Bedrohung als den saudischen Gilette-Verächter. Das Urmel bin Laden aus Al-Kaidas Puppenkiste hatte stets was von Jochen Behle. Wo ist Osama? Wo sama, Osama? Oh, in Pakistan sama, im Weißen Haus haben sie das beim Public Enemy Viewing genau beobachtet, wohl wissend, dass sie beim Gucken beguckt werden. Obama! Welche Pose, wunderbar leger, aber doch so ernsthaft engagiert, Hut ab. Hillary, wie überzeugend sie einen auf erschrockenes Girlie gemacht hat, herzallerliebst. Angela war weniger schockiert: Prima Erschießung. Mubarak, Gaddafi, Osama, der nächste ist Iraner. Die Älteren werden sich erinnern, bei der RAF hieß es: Buback, Ponto, Schleyer, der nächste ist ein Bayer. Gemeint war Franz Josef Strauß, der allerdings ohne Feindeinwirkung von uns ging, und dem heute noch viele nachtrauern.

Osama weint keiner eine Träne nach. Das ist das Einzige, was ihn mit Guido verbindet. Der ist still alive, aber auch weitestgehend von uns gegangen. Oder doch nicht? Bei der FDP ist alles möglich. Nach den jüngsten Landtagswahlen zog sie sich zurück, ich dachte zum Sterben, aber nein, zur Reinkarnation. Die FDP hat sich wiedergeboren, als Jugendorganisation, sie ist keine fiese Klientelpartei mehr, sie setzt voll auf Kindchenschema, clever, denn nun steht die FDP unter Welpenschutz. Lindner, Bahr und allen voran Rösler, die niedliche Diddlmaus – auf die drei kann wirklich keiner eindreschen, ohne sich dem Verdacht der Kinderschändung auszusetzen.

Thomas Reis ist Kabarettist.

Autor:  Thomas Reis
Datum:  12 | 5 | 2011
Kommentare:  4
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