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18. April 2013

Einspruch: Europas Juden müssen Religionsfreiheit haben

 Von Menachem Margoli
Ein Baby vor der Beschneidung.  Foto: Getty Images

Über Tausende von Jahre haben Juden in Europa vielfältige Formen von Angriffen und Verfolgungen unterschiedlicher Intensität erlitten ...

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Wenn Regierungen in der Vergangenheit Juden die Erwerbstätigkeit in den meisten Berufen untersagten und sie im Wesentlichen für das Bankwesen und den Geldwechsel erlaubten, beklagten die Unterdrücker anschließend die angebliche Gier von Juden und behaupteten, diese hätten es frei gewählt, allein in diesen Branchen tätig zu sein. In jüngerer Vergangenheit haben wir eine neue, für die Gegenwart modifizierte Version jenes alten Phänomens erlebt, dass Antisemiten die religiösen Bräuche von Juden zum Vorwand nehmen, die jüdische Nation anzugreifen. Einmal mehr versuchen sie, einen angeblichen Beweis dafür zu führen, dass der jüdische Glaube in der Kultur des Mittelalters wurzele und für ihn kein Platz in der Moderne sei. Das war etwa eine Strategie, um das Verbot des Schächtens in Gesetzen zu verankern, obwohl das Schlachten von Tieren nach dem jüdischen Ritus nachweisbar eine besonders humane Schlachtmethode ist.

Angriff auf die Beschneidung

Über den Zeitraum eines Jahres haben wir nun Angriffe auf den Ritus der Beschneidung von Jungen erlebt, den Juden wie Nicht-Juden über Tausende von Jahren praktiziert haben. Es ist aber erwiesen, dass die Beschneidung von Jungen nicht nur keine medizinische Gefahr für ein Kind darstellt, sondern dass sie lebensgefährlichen Infektionen vorbeugt. (…) Einige Monate sind seit diesen Angriffen vergangen und gerade als es schien, als solle das jüdische Volk Ruhe vor Verfolgungen genießen, tauchen neue Unterdrücker – die eine Wiedergeburt der alten sind – auf und greifen uns wegen unseres Ritus der Beschneidung an. (…)

Es gibt jüdische Führer, die – sei es aus politischen Gründen oder weil sie des Kämpfens müde sind – entschieden haben, sich mit jenen zu verbinden, die gegen jüdische Interessen arbeiten. Offenbar hoffen sie, auf diese Weise den Frieden für die jüdische Gemeinschaft wiederherzustellen. (…) Es wird nicht mehr lange dauern, bis Regierungen Europas Juden erneut der „unmenschlichen und unzivilisierten Praktiken“ anklagen werden. Europas Juden müssen Religionsfreiheit haben. Jeder jüdische Führer trägt die Verantwortung und hat die Pflicht, jede Beeinträchtigung auch nur eines Details des jüdischen Lebens abzuwenden.

Rabbi Menachem Margolin, Direktor des Rabbinical Centre of Europe und der European Jewish Associaton.
Übersetzt von Christian Siepmann.

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