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15. Juni 2012

Exzellenzinitiative: Konzentration auf die Lehre

 Von 
Psychologievorlesung in der Uni Tübingen.  Foto: dpa

Wer „Elite“ sein und bleiben will, muss jetzt auch frischen Wind in die Lehre bringen. Denn für den Alltag der 2,2 Millionen Studenten in den Hörsälen, Seminaren und Forschungslaboren bringt die Exzellenzinitiative kaum Verbesserungen.

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Die Exzellenzinitiative hat frischen Wind in die Hochschulen gebracht. Unabhängig von Erfolg oder Misserfolg ihrer Anträge haben die teilnehmenden Universitäten bereits im Bewerbungsmarathon einen Wandel vollzogen. Sie haben an ihren Profilen gefeilt, Strukturen überprüft, das sture Denken in Fachbereichen überwunden und Kooperationspartner für ihre Ziele gesucht. Zum Ausgangspunkt können sie nun nicht mehr zurück. Das ist das Positive.

Doch der Wettbewerb um milliardenschwere Fördertöpfe und das Bemühen, Hochschulen in effiziente Organisationen zu verwandeln und sie wie Wirtschaftsunternehmen auf dem Weltmarkt der Forschung zu positionieren, hat seinen Preis: Im Schatten der Sieger steht nun eine Gruppe von Verlierern, denen nach und nach die Argumente für ihre Existenz ausgehen könnten. Sie haben das Nachsehen, obwohl sie für eine exzellente Ausbildung der 2,2 Millionen Studenten in Deutschland dringend gebraucht werden. Das ist das Negative.

Elf Elite-Universitäten

Die jetzt gekürten elf Elite-Universitäten profitieren nicht nur von den Fördermillionen aus Bund und Ländern, sondern sie werden auch langfristig deutlich mehr Drittmittel einwerben als diejenigen, die leer ausgegangen sind. Gewinner wie die RWTH Aachen oder die Universitäten in München, Heidelberg und Köln sind attraktiv für Forschungskoryphäen und können bei der leistungsorientierten Finanzierung durch die jeweiligen Landesregierungen zusätzlich punkten.

Der nationale Wettbewerb festigt auch das internationale Renommee der Exzellenz-Hochschulen. Deutschland könnte vor allem davon profitieren, dass Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie Max-Planck oder Fraunhofer kooperieren. Wie wirkungsvoll die Zusammenarbeit zwischen Hochschule und externen Forschern sein kann, zeigte die Wandlung der Universität Karlsruhe: Sie verschmolz 2006 im Rahmen der ersten Exzellenzrunde mit dem Forschungszentrum der Helmholtz-Gemeinschaft zum Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Doch eine Erfolgsgarantie ist das Forschen mit starken Partnern auch nicht: Karlsruhe verlor überraschend seinen Elitestatus.

Dafür sind die Münchener Hochschulen TU und LMU erneut an der Spitze. Die beiden Universitäten tauchen sogar regelmäßig in internationalen Rankings auf – aber nicht unter den Top-Ten. Die deutsche „Elite“ übt noch auf internationalem Parkett, wo sich Exzellenz-Profis wie Harvard, Berkeley und Cambridge tummeln.

Während nun die erfolgreichen Exzellenz-Universitäten versuchen, künftig mit den großen Hunden zu pinkeln, geht ein ebenso wichtiges Desiderat vor eben diese: Durch die Konzentration auf die Wissenschaftseliten, drohen sich Forschung und Lehre noch weiter zu entkoppeln.


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Forschungsstärke vor Lehre

Zwar hatten Bund und Länder für die letzte Runde der Exzellenzinitiative großspurig angekündigt, die Verbindung von Forschung und Lehre besonders zu würdigen. Doch das bezog sich fast ausschließlich auf die Förderung besonders talentierter Doktoranden. Zwar konnte die Berliner Humboldt-Universität mit einem Zukunftskonzept punkten, dass auf die Einheit von Forschung und Lehre setzt. Doch ausschlaggebend für den Exzellenz-Status der Besten war letztlich die Forschungsstärke, nicht die Leistung in der Lehre.

Diese Prioritätensetzung ist nur dann in Ordnung, wenn Bund und Länder jetzt zugunsten der Lehre nachsteuern. Denn für den Alltag der 2,2 Millionen Studenten in den Hörsälen, Seminaren und Forschungslaboren bringt die Exzellenzinitiative kaum Verbesserungen.
Das wäre aber bitter nötig, wenn das Zukunftskonzept von der Bildungs- und Wissenschaftsrepublik Deutschland aufgehen soll. Sie braucht exzellente Forscher und Spezialisten. Aber sie braucht auch eine gut und breit ausgebildete akademische Masse, auf der Spitzenleistung für Wirtschaft und Forschung aufbauen kann. OECD-Bildungsstudien haben das mehrfach angemahnt.

Das Argument der Exzellenz-Befürworter, dass gute Forschung automatisch gute Lehre bringt, klingt hohl und missachtet die Bedürfnisse einer Studentengeneration, die den neuen Leistungsanforderungen gerecht werden will und dafür zu Recht auf gute Studienbedingungen pocht. Doch an vielen Hochschulen erleben sie gerade das genaue Gegenteil: Professoren widmen sich noch mehr als bisher der Forschung, die Betreuung der Studierenden wird zum Anhängsel.
Initiativen wie die des Stifterverbands und der Kultusminister für „exzellente Lehre“ schaffen wichtige Anreize, haben aber bei weitem nicht die Schlagkraft einer Exzellenzinitiative. Wer „Elite“ sein und bleiben will, muss jetzt auch frischen Wind in die Lehre bringen. Ansonsten geht der Spitzenforschung irgendwann die Puste aus.

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