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26. Februar 2013

Falsche Bio-Eier und andere Lebensmittel-Skandale: Die Macht der Konsumenten

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Angeknackst: Die jüngsten Skandale um Bio-Eier und Pferdefleisch führen uns in eine Krise des Konsums.  Foto: Getty Images

Allein mit der Beschränkung auf den Verzehr ökologisch einwandfreier Produkte und dem Vertrauen auf Nachhaltigkeit kommt man kaum noch auf die sichere Seite des guten Geschmacks.

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Allein mit der Beschränkung auf den Verzehr ökologisch einwandfreier Produkte und dem Vertrauen auf Nachhaltigkeit kommt man kaum noch auf die sichere Seite des guten Geschmacks.

Die schöne Warenwelt, in der wir uns bisweilen so angenehm sorg- und arglos bewegen, hat, wenn sie denn je eine besessen hat, ihre Unschuld verloren. Stellt man einen Zusammenhang her zwischen den aktuellen Skandalen um nicht deklariertes Pferdefleisch in Lebensmitteln, den Internethändler Amazon und der anschwellenden Aufregung um Bio-Eier, so kann man eine umfassende Krise des Konsumierens konstatieren. Hinter der bunten Fassade tun sich Abgründe auf, die nicht nur jene zu verantworten haben, die beim Bemühen um Profitmaximierung die Schwelle zur Kriminalität überschreiten. Jeder neue Skandal wiederholt nicht zuletzt auch die Frage nach den ethischen Grundlagen unseres alltäglichen Verbrauchens.

Angesichts der Ähnlichkeit sich in unschöner Regelmäßigkeit wiederholender Vorfälle scheinen sich auch die gängigen Reaktionsmuster zwischen Anklage und Betroffenheit erschöpft zu haben. Es war denn auch kein Zufall, dass der engagiert geführte Streit um den Vorschlag, die aus dem Verkehr gezogenen Lebensmittel mit nachgewiesenem Pferdefleisch an Bedürftige zu verteilen, über Gebühr die Gemüter erhitzte. Mit seinem wohl eher pragmatisch gemeinten Einfall ist der Unionspolitiker Hartwig Fischer in eine argumentative Falle getappt, in der zwei moralische Prinzipien einander behaken. Dasjenige, das Fischer für sich beansprucht, basiert auf dem Gebot, keine Lebensmittel zu vernichten. Das andere, das ihm anschließend entgegenschlug, beharrt auf der Würde des Menschen, die sich insbesondere auch im Umgang mit Lebensmitteln erweist. Essen ist eben nicht nur jener Vorgang, mit dem man seinen Hunger stillt, sondern noch immer eine der edelsten Formen, seiner kulturellen Prägung Ausdruck zu verleihen. Die eher hilflos vorgetragene Idee, ein Dilemma der Lebensmittelproduktion mit prekären sozialen Lagen zu verknüpfen, hat bei aller Fragwürdigkeit zumindest darauf aufmerksam machen können, wie nah das Bedürfnis nach Reinheitsgeboten und die Bereitschaft zur Massenvernichtung von Lebensmitteln beieinander liegen. Beides in bester Absicht, versteht sich.

Die Ökonomie von Gut und Böse ist auch im Beispiel des Internethändlers Amazon schwer zu durchschauen. Dass der bequeme Bezug von Produkten per Mausklick und Zahlungsnachweis auf der Kombination von postindustrieller Arbeitsorganisation und frühkapitalistischer Ausbeutung beruht, hätte man bislang irgendwo in Asien, aber kaum in der deutschen Provinz vermutet. Über die verstörenden Beschäftigungsverhältnisse hinaus offenbart die Affäre Amazon die dunklen Seiten eines zunehmend ins Digitale verlagerten Handels, in dem die Vorstellungen von Kaufen und Verkaufen von Grund auf revolutioniert werden. Im Nebenbei des Skandals wurden beispielsweise Bezieher von E-Books via Amazon gewahr, dass sie die Bücher gar nicht gekauft, sondern nur gemietet haben. Will ein Kunde seine Beziehung zu Amazon auflösen, so verliert er auch die erworbenen elektronischen Produkte. Wer sich auf den Internethandel einlässt, so lernen wir, muss wohl auch seine Vorstellungen von Besitz und Eigentum revidieren.

Zu einem sich derart artikulierenden Wandel des Konsumierens gesellt sich für den kritischen Kunden vor allem auch ein Gefühl der Ohnmacht. Was kann man schon tun, wenn auch das Kleingedruckte keine Auskunft über die tatsächliche Beschaffenheit von Waren und deren Inhalt zu geben vermag. Allein mit der Beschränkung auf den Verzehr ökologisch einwandfreier Produkte und dem Vertrauen auf nachhaltige Fertigungsweisen kommt man kaum noch auf die sichere Seite des guten Geschmacks.

Kann man den gar nichts tun? Für den Soziologen Ulrich Beck ist der gebeutelte Mensch vor dem Computer und am Regal ein schlafender Riese. Entsprechend aufgeklärt und organisiert könnte der wachsame Konsument, so glaubt Beck, eine wichtige Funktion bei der Kontrolle und der künftigen Ausrichtung der Konzerne der Welt übernehmen. Neben den immer aufwendiger werdenden Versuchen, die Kunden mit elektronische Fesseln auszustatten, gibt es doch so etwas wie eine konsumistische Interventionsmacht, die den Konzernen, wie das jüngste Beispiel Amazon zeigt, empfindlich wehtun kann.

Zu einer erfolgreichen Ausübung dieser Funktion gelangt man allerdings nicht allein über Askese und Lebensmittelampeln. Neben den bekannten Formen der Konsumkritik bedarf es vielmehr auch einer Selbstaufklärung über das eigene Einkaufsverhalten. Was man kauft und wo man es tut, entscheidet letztlich auch darüber, wie sich die künftigen Freuden und Leiden des Konsums gestalten werden.

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