Nehmen wir Calamares, diese kleinen Hula Hoop-Reifen in Bierteig. Da lebt so ein Fisch sein ganzes Leben fettfrei und gesund. Mit welchem Ergebnis? Er landet als frittiertes Arschloch auf einem griechischen Grillteller. Viel fetter kann das Ende nicht kommen, auch für die Griechen nicht, die längst auf FDH gesetzt wurden. Sie bekommen Geld, aber nur wenn sie sparen. Dieser Sadismus nennt sich Rettungsschirm. So einen hatte Möllemann auch. Doch was nutzt ein Schirm, wenn du ihn nicht aufmachst? Entweder Du wirst nass oder Du fällst runter. Freier Markt, schön und gut, aber nichts ist freier als der Fall.
Ist es stilvoll, einen Verhungernden dazu zu ermutigen, einfach mal etwas weniger zu essen, um wieder zu Kräften zu kommen? So zynisch verhalten wir uns nicht einmal gegenüber Afrika. Wer da wie auf Diät gesetzt wird, das ist schwer nachvollziehbar: Während die Libyer noch an unserer moralinfetten humanistischen Brust gemästet wurden, lassen wir die Syrer entspannt dehydrieren. Geht den Amis das Geld aus, drucken sie neues, das von den Chinesen sofort kopiert wird. Was machen wir, eine der wenigen weltweit noch funktionierenden Volkswirtschaften? Sparen. Das ist absurd.
Wir haben den Buchdruck erfunden. Aber was hilft das in Zeiten der Geldarmut? Wo ist es überhaupt hin das Geld? Geld wird nicht gefressen, verdaut und ausgekackt, es muss also irgendwo sein? Bei BP? BP ist so fett im Geschäft wie nie zuvor, weil BP nix von Diäten hält; das verbindet mich mit BP. Diäten sind Mumpitz, erstens musst du mehrere gleichzeitig machen, damit du satt wirst, und zweitens geht das nur über Trennkost. Da musst du wieder jemanden ausgrenzen: Kartoffeln, unschuldige Kohlehydrate, sympathische Knollenfrüchte. Die können wir nicht einfach vom Tellerrand schubsen, das ist Gemüsefaschismus; so fängt es an, wo es endet wissen wir alle.
Hitler wollte den Volkskörper arisch gesundfasten und Sarkozy spricht von Diät Africaine, es will Afrikaner abspecken, um die Welt, also Frankreich zu retten.
In Somalia haben sie seinen Ruf erhört, aber wird Frankreich dadurch schöner? Eine Hungersnot, selbst wenn sie absichtlich herbeigeführt wird, um Weltmärkte zu stabilisieren oder Konfektionsgrößen zu manipulieren, ist nie schön, denn sie führt zu Mangelerscheinungen. Wer auf Nahrung verzichtet, dessen Körperzellen reagieren mit Autophagie, einem körpereigenen Kannibalismus. Bei Muskelzellen wussten wir längst, das sich der Mensch irgendwann quasi selbst verdaut; es war nicht nur Kate Moss, viele Frauen sind so dünn, dass sie auf ihren eigenen Fotos gar nicht mehr mit drauf sind. Nun wurde nachgewiesen, dass dies antropophage Verzehrverhalten auch für Gehirnzellen gilt. Anders als durch Hirnzellenkannibalismus ist Ganz anders Behring Breiviks Tat nicht zu begründen, weder durch Ego-Shooter-Determinismus, Schwere-Kindheit-Gedöns-Analyse, tiefenreligiöse Erlösungsfantasie, noch durch Befehle von außerirdischen Nazikäfern oder sonstigem psychologischem Schwachmatenverstehervokabular.
Bei der Autopsie dieses Norwegers werden sich die Neurologen noch wundern; auf mehr als eine Hirnanhangsdrüse werden sie nicht stoßen, alles andere würde ich mich weigern zu glauben, denn der Mensch ist gut. Ja! Abgesehen von ein paar hundert Millionen Arschlöchern, ist der Mensch gut. Punkt.
Thomas Reis ist Kabarettist.

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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