Zwei lange Prozesse, insgesamt 124 Verhandlungstage, jetzt das Urteil: Ein Polizist wird wegen fahrlässiger Tötung im Drama um den Feuertod des Afrikaners Oury Jalloh im Januar 2005 vom Landgericht Magdeburg zu 10 800 Euro Geldstrafe verurteilt.
Das Gericht sah es nicht als erwiesen an, dass der Mann in der Zelle von Polizisten ermordet wurde. Im Prozess konnten aber auch nicht all die Zweifel ausgeräumt werden, die das Drama seit Jahren begleiten: Wie soll sich ein an Händen und Füßen gefesselter Mann selbst verbrennen? Woher hatte er ein Feuerzeug? Er war doch von Polizisten durchsucht worden.
Die Richter des Landgerichts in Magdeburg entscheiden im Prozess um den Tod des Asylbewerbers Oury Jalloh: 10.800 Geldstrafe - so viel muss der verantwortliche Polizeibeamte zahlen.
Foto: dpaJetzt gibt es ein Urteil, mit dem niemand wirklich zufrieden sein kann. Man wird es wohl hinnehmen und ertragen müssen, dass dieser Fall niemals geklärt wird. Es ist ein Urteil, es ist Recht und nicht Gerechtigkeit oder Wahrheit. Mehr war nicht möglich, denn das Gericht musste sich an dem Fall die Zähne ausbeißen: Die Ermittlungen waren von Pannen und Schlampereien und Täuschungsmanövern geprägt, Polizisten hatten geschwiegen oder Aussagen abgesprochen.
Das jetzt in Magdeburg gefällte Urteil ist kein Skandal. Es war das der Justiz Mögliche. Furchtbar und tragisch ist, was 2005 in der Dessauer Zelle geschah. Skandalös, wie Polizisten anschließend die restlose Aufklärung sabotierten.
Leitartikel, Analysen und Kolumnen unserer Autoren und Korrespondenten
"Was können die Leserinnen und Leser jetzt tun, um der Frankfurter Rundschau zu helfen?", fragte die FR den Insolvenzverwalter Frank Schmitt im Interview.
Seine Antwort: An den Kiosk gehen und die Frankfurter Rundschau kaufen und Anzeigen schalten. "Alles, was aktuell zum Umsatz beiträgt, ist hilfreich."
Die Zeitung erhalten Sie aktuell im Solidaritäts-Abonnent.
Die preisgekrönte FR-App bekommen Sie ebenfalls im Abo als Paket mit unserem E-Paper oder im Einzelverkauf im App-Store und bei Google Play.
Anzeigen sind möglich in Zeitung, App und auf der Website. Der Verlag informiert über die Konditionen.
Seit Februar 2010 laufen Bauarbeiten am Stuttgarter Bahnhof. Diskussion, Hintergründe, Fotostrecken und mehr im FR-Spezial.