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03. November 2014

Gastbeitrag: Die Klimakiller in der Erde lassen

 Von Julia Verlinden

Die Energieversorgung der Zukunft ist mit Fracking nicht zu sichern. Es gibt Alternativen zum Gas aus dem Boden.

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Vor dem Hintergrund unsicher erscheinender Energielieferungen aus Russland werden die Rufe lauter, Erdgas und Erdöl im eigenen Land mit Hilfe der Fracking-Technik zu fördern. Beim Fracking wird Flüssigkeit unter hohem Druck in tiefe Gesteinsschichten gepresst, um dort Risse zu erzeugen und so schwer zugängliche Gas- oder Ölvorräte zu erreichen. Ob diese Technik in Deutschland zum Einsatz kommen sollte oder nicht, muss einerseits anhand möglicher Risiken für Umwelt und Gesundheit sowie andererseits im Lichte der langfristigen Energie- und Klimapolitik entschieden werden. Beide Betrachtungen sprechen eindeutig gegen den Einsatz von Fracking zur Erdgas- und Erdölgewinnung.

Viele Gebiete, in denen Fracking in Deutschland eingesetzt werden könnte, sind dicht besiedelt, werden landwirtschaftlich genutzt oder dienen der Gewinnung von Trinkwasser. Die Gesundheit vieler Menschen wäre bei Schadensfällen wie der Verschmutzung von trinkwasserführenden Schichten gefährdet. Die bestehenden Risiken für Wasser und Böden können auch durch strenge Umwelt- und Sicherheitsauflagen nicht vollkommen ausgeschlossen werden. Fracking und Vorsorgeprinzip passen also nicht zusammen.

Genauso wenig passt Fracking zur Energiewende. Ihr Ziel ist es, dem Klimaschutz gerecht zu werden und unsere Versorgung vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen. Daher hat sich die Bundesregierung die Vorgabe gemacht, den Treibhausgasausstoß bis 2050 um 80 bis 95 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir unseren Energieverbrauch konsequent verringern und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wie Erdöl, Erdgas und Kohle beenden.

Fracking zur Gewinnung von Erdgas und Erdöl zuzulassen, steht in völligem Widerspruch zu diesem Ziel. Denn die Technik ermöglicht den Zugang zu bisher gar nicht oder nur sehr schlecht erreichbaren Gas- und Ölvorkommen und verlängert so das fossile Zeitalter. Mehr Erdgas und Erdöl auf dem Markt bremsen zudem die Innovationsanreize in der Effizienztechnologie und verzögern den Umstieg auf erneuerbare Energien.

Der Einsatz von Fracking erfordert viel Energie, wodurch zusätzliche Emissionen verursacht werden. Hinzu kommt, dass bei der Förderung von Erdgas und Erdöl – insbesondere unter Einsatz von Fracking im Schiefergestein – erhebliche Mengen Methan freigesetzt werden. Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas und auch ein Nebenprodukt der Erdölförderung. Es ist um ein Vielfaches klimaschädlicher als CO2, das bei der Verbrennung von fossilen Energieträgern entsteht. Mindestens um das Zwanzigfache. Diese negativen Begleiterscheinungen verschlechtern die Klimabilanz von Fracking zusätzlich.

Billiger wird's auch nicht

Trotz der eindeutig klimaschädlichen Folgen halten einige den Einsatz der Technik in Deutschland für notwendig, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Doch die Förderung von Schiefergas wird laut Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) in Deutschland weder die Energieabhängigkeit spürbar verringern noch zu sinkenden Energiepreisen führen. Und selbst in den bestehenden niedersächsischen Erdgasfeldern, in denen die Fördermengen tendenziell absinken, könnte Fracking nach Angaben der Erdgasindustrie das Ende der Förderung lediglich um wenige Jahre hinauszögern.

Politische Strategien wie auch Forschungsschwerpunkte in der Energiepolitik müssen konsequent darauf ausgerichtet werden, uns so schnell wie möglich aus der Abhängigkeit von Kohle, Erdöl und Erdgas zu befreien. Nur so ist das Klimaziel, einen Temperaturanstieg um mehr als zwei Grad zu verhindern, überhaupt noch erreichbar. Selbst die Internationale Energieagentur (IEA) sagt, dass aus Klimaschutzgründen maximal noch ein Drittel der nachgewiesenen fossilen Reserven verbrannt werden dürfte. Der Rest muss unbedingt in der Erde bleiben. Wer diesen internationalen Erkenntnissen folgt und Vorbild für Energiewende und Klimaschutz sein will, kann nicht gleichzeitig Fracking für Gas und Öl zulassen. Das wäre mehr als unglaubwürdig.

Zukunftsweisende Alternativen zur Fracking-Technologie stehen jetzt schon zur Verfügung: Energiesparen, mehr Energieeffizienz und erneuerbare Energien – und zwar nicht nur im Stromsektor, sondern auch im Verkehr und beim Heizen.

Gerade die energetische Modernisierung von Gebäuden ist dabei entscheidend. Denn ein Großteil des Erdgases verbrauchen wir heute in veralteten Heizungsanlagen für schlecht isolierte Gebäude. Auch hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplung, sparsamere Autos oder verbrauchsarme Elektrogeräte sind innovativ und reduzieren unsere Abhängigkeit vom Import fossiler Energieträger.

Wir haben in Deutschland die Technologie und das Know-how, die Energiewende in allen Bereichen voranzubringen. Die Politik muss dafür aber die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, so dass Energieeffizienz-Technologien und intelligente Energiedienstleistungen auf dem Markt eine Chance bekommen. Wir Grüne haben dazu zahlreiche Vorschläge gemacht. Dazu gehört beispielsweise ein eigener Energiesparfonds mit einem Volumen von drei Milliarden Euro, mit dessen Hilfe wirksame finanzielle Anreize fürs Energiesparen gesetzt werden könnten.

Nur wenn die Bundesregierung die Energiewende entschlossen vorantreibt und eine kluge Energieeffizienzpolitik umsetzt, erreicht sie damit auf Dauer Versorgungssicherheit, stabile Energiepreise und Fortschritte im Klimaschutz. Dem Fracking Tür und Tor zu öffnen, würde dagegen den gewollten Umbau der Energieversorgung verzögern sowie Klima und Gesundheitsschutz zusätzlich gefährden.

Dr. Julia Verlinden ist Sprecherin für Energiepolitik der Grünen-Fraktion im Bundestag.

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