In einer besseren Welt – vor allem in einer Welt mit besseren Politikern – wäre ein guter Arbeitsmarktbericht Grund für ungetrübte Freude. In der Welt, in der wir tatsächlich leben, folgt auf jeden Silberstreif am Horizont eine dunkle Wolke. Die jüngsten Zahlen Woche waren deutlich besser als erwartet und sie haben viele – mich eingeschlossen – optimistischer gemacht. Aber die Gefahr ist real, dass der Optimismus sich selbst zerstören wird, denn er wird die Säubern-und-Liquidieren-Horde ermutigen und ermächtigen.
Bemerkenswert ist, dass die Arbeitslosigkeit endlich mal gefallen ist, weil es tatsächlich mehr Jobs gab und nicht nur weil sich wieder viele Arbeitnehmer aus dem Erwerbsleben und damit aus der Arbeitslosenstatistik verabschiedet haben. Darüberhinaus ist es nicht all zu schwer zu erkennen, dass sich diese Erholung bald selbst tragen könnte. Im Speziellen ist die Eigenheim-Quote in den USA im historischen Vergleich derzeit ziemlich niedrig, schließlich haben wir in den sechs Jahren seitdem die Immobilienblase geplatzt ist, ziemlich wenig gebaut. Was einer Erholung des Immobilienmarktes im Weg steht, ist der starke Rückgang der Haushaltsgründungen. Junge Leute bleiben bei ihren Eltern wohnen, weil sie es sich nicht leisten können, auszuziehen. Wenn also nur genug US-Amerikaner einen Job finden und sich ein Eigenheim zulegen, kann uns der Immobilienmarkt, der uns die ganze Krise eingebrockt hat, wieder herausreißen.
Nichtsdestotrotz steckt unsere Volkswirtschaft weiter in der Depression. Wie das Economic Policy Institute feststellt, haben wir 2012 mit weniger Beschäftigten begonnen als im Januar 2001 – null Wachstum in elf Jahren, obwohl die Bevölkerung und damit die Arbeitsplätze, die wir brauchen, ständig gewachsen ist.
Dabei sollten wir nicht vergessen, dass die Langlebigkeit der hohen Arbeitslosigkeit unserer Wirtschaft und unserer Gesellschaft dauerhaften Schaden zufügt, selbst wenn die Arbeitslosenrate kontinuierlich sinkt. Vergessen Sie vor allem nicht, dass die Langzeitarbeitslosigkeit auf einem Niveau verharrt, das es seit der Großen Depression in den 1930er Jahren nicht erreicht hat. Und solange das so weitergeht, bedeutet es, dass mehr US-Amerikaner dauerhaft vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind, dass mehr Familien ihre Ersparnisse aufbrauchen und dass mehr unserer Mitbürger die Hoffnung verlieren. Vollbeschäftigung ist nach wie vor ein ferner Traum – und das ist nicht hinnehmbar. Politiker sollten alles tun, was sie können, um uns so schnell wie möglich zurück in die Vollbeschäftigung zu führen.
Unglücklicherweise sehen die meisten, die Einfluss auf die Politik haben, das nicht so. Ziemlich früh in dieser Krise begann eine beträchtliche Zahl von Politikern und Beratern zu fordern, die Bemühungen, die Wirtschaft zu stützen, schnell wieder zu beenden. Einige ihrer Forderungen konzentrierten sich auf den Staatshaushalt, darunter Rufe nach Sparsamkeit trotz geringer Zinsen und hoher Arbeitslosigkeit. Es gab aber genauso wiederholt Forderungen, dass die Fed, die US-Zentralbank, und ihre Gegenstücke in anderen Teilen der Welt, die Geldmenge verknappen und die Zinsen anheben sollten.
Was ist die Argumentation hinter diesen Forderungen? Nun, die ändert sich. Manchmal ist es die angebliche Gefahr der Inflation. Und die Inflations-Falken bei der Fed und andernorts bleiben bei ihrer Meinung – sie verstört anscheinend weder, dass die vorhergesagte Explosion der Inflation gar nicht eintritt, noch lassen sie sich von den katastrophalen Folgen beirren, die eintraten, als die Europäische Zentralbank vergangenen April tatsächlich die Zinsen anhob und so die gegenwärtige Euro-Krise mit auslöste. Aber daneben gibt es auch so etwas wie eine freistehende Opposition gegen niedrige Zinsen, ein Gefühl dafür, dass mit billigem Geld und leichten Krediten, irgendetwas nicht stimmt – selbst bei einer hoffnungslos schwachen Konjunktur. Ich nenne das den Drang zur Säuberung, frei nach Andrew Mellon, dem Finanzminister von US-Präsident Herbert Hoover, der diesen dazu drängte, den Liquidierungen freien Lauf zu lassen, um die „Fäulnis zu säubern“, die seiner Meinung nach die USA befallen hatte.
Und jedes mal, wenn wir ein paar gute Nachrichten zu hören bekommen, tauchen diese Säubern-und-Liquideren-Typen wieder auf und sagen, jetzt seit es Zeit, sich nicht länger auf die Schaffung von Arbeitsplätzen zu konzentrieren. Und die traurige Wahrheit ist, dass die guten Zahlen vom Arbeitsmarkt es unwahrscheinlicher gemacht haben, dass die Fed die expansionistischen Maßnahmen ergreift, die jetzt nötig wären.
Und jetzt kommt, was über die jüngsten Zahlen gesagt werden muss: Ja, uns geht es ein bisschen besser. Aber: Nein, die Lage ist nicht gut. Die Konjunktur ist nach wie vor ziemlich schlecht, und Politiker sollten deutlich mehr als derzeit unternehmen, um die Lage zu verbessern.
Paul Krugman ist Ökonomie-Professor in Princeton und Träger des Wirtschaftsnobelpreises. Übersetzung: Nicole Lindenberg © New York Times

Damir Fras ist unser US-Korrespondent
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