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Gastbeitrag von Albert Speer: Frankfurt lebenswerter, wohlhabender und klüger machen

Seit rund einem Monat liegt mit dem Entwurf zum Integrations- und Diversitätskonzept für Frankfurt am Main ein wichtiges Konzept zu einem zentralen Zukunftsthema der Stadt vor.

Albert Speer hat die Denkschrift Frankfurt für alle vorgelegt.
Albert Speer hat die Denkschrift "Frankfurt für alle" vorgelegt.
Foto: Morgenstern

Seit rund einem Monat liegt mit dem Entwurf zum Integrations- und Diversitätskonzept für Frankfurt am Main ein wichtiges Konzept zu einem zentralen Zukunftsthema der Stadt vor. Der von Nargess Eskandari-Grünberg vorgelegte Konzeptentwurf erschließt der Stadt Frankfurt eine gänzlich neue Sicht auf Stadtpolitik im Zeichen der Einwanderung. Das Konzept nimmt die Vielfalt der ganzen Stadtgesellschaft als Realität ernst und leitet daraus pragmatische, aber durchaus visionäre Ziele ab.

Neben Problemen, die nicht geleugnet werden, auf die Chancen und den Gewinn hinzuweisen, welche Einwohner und Einwanderer mit ganz unterschiedlichen kulturellen, geistigen, ethnischen und wirtschaftlichen Hintergründen für Frankfurt bedeuten können, scheint mir für eine weltweit vernetzte Stadt, die Heimat für Menschen aus über 180 Nationen ist, eine wichtige und angemessene Botschaft zu sein. Ich bin überzeugt davon, dass Frankfurt in der globalen Konkurrenz der großen Städte zukünftig noch große Vorteile aus seiner vielfältigen und vielschichtigen Bevölkerungsstruktur ziehen wird. Diese Vielfalt gilt es in der Tat zu fördern und zu gestalten.

Im Januar dieses Jahres hat mein Büro in Zusammenarbeit mit der Stiftung und dem Verein Polytechnische Gesellschaft die Denkschrift "Frankfurt für Alle" vorgestellt. Unsere Studie zeigte in fünf Themenschwerpunkten nicht nur, was Frankfurt alles bereits leistet, sondern wo wir drängende Aufgaben für die Zukunftssicherung unserer kleinen Metropole ausmachen. Die unterschiedlichen Aspekte von Integration in unserer internationalen Bürgerstadt zählten.

Es freut mich zu sehen, dass unsere Studie und der Entwurf eines neuen Integrationskonzeptes in die gleiche Richtung denken. Dass manche Analyse und Idee aus "Frankfurt für alle" im Entwurf des neuen Integrationskonzepts Parallelen findet, kann beide Seiten nur bestärken. Der Gedanke einer Netzwerkstadt ist in beiden Studien ein zentraler Begriff. Ich begrüße dieses unter Begleitung von namhaften Wissenschaftlern erstellte Konzept gerade auch deswegen, weil es diesen Netzwerkgedanken selbst vorlebt, wegen seines offenen Charakters und weil es auf die Teilhabe und Mitarbeit der Bürger setzt. Auch die Internet-Plattform mit zehntausenden Zugriffen oder die Diskussionsveranstaltungen in der Stadt machen deutlich, wie die wichtigen Themen der Stadtentwicklung von Politik, Verwaltung und Fachleuten unter aktiver Mitwirkung der Bevölkerung vorangetrieben werden können.

Hoffen wir, dass dieses Beispiel in Frankfurt Schule machen wird, denn die Zeichen in der Stadt stehen der Krise zum Trotz auf Aufbruch, Erneuerung und Zukunft. Dieser Ton bestimmt auch den Entwurf eines Integrationskonzeptes, und das ist gut so.

Hoffen wir außerdem, dass trotz der allzu breit über die Dezernate verteilten Zuständigkeiten andere mit ähnlich ausgearbeiteten Konzepten folgen werden. Zwar haben wir uns in unserer Denkschrift "Frankfurt für alle" mit Bedacht um eine ganzheitliche, alle Themenbereiche zusammen denkende Betrachtung zur Stadtentwicklung bemüht. Das Beispiel des Integrationskonzepts lässt mich nun aber eine große Chance darin sehen, einzelne Bausteine und Handlungsfelder aus diesem Panorama herauszulösen und mit der Umsetzung von Projekten zu beginnen.

Für das Handlungsfeld Bildung und Bürgerengagement sind die Polytechniker mit bestem Beispiel vorangegangen und haben bereits zwei Projekte umgesetzt. Sie haben eine Bürgerakademie zur Vernetzung wichtiger Funktionsträger im Ehrenamt gegründet und werden zudem als Pate für die Stadt Frankfurt im Stiftungsverbund des bundesweiten Programms "Lernen vor Ort" fungieren. Dass an diesem Projekt neben den großen Sozial- und Bildungsdezernaten auch das kleine Dezernat für Integration beteiligt ist, ist ein gutes Zeichen. Wir brauchen solche Netzwerke und Menschen und Organisationen.

Netzwerke müssen offen sein. In der Bevölkerung ist erheblicher Diskussionsbedarf vorhanden, was die übergreifenden Zukunftsthemen der Stadt anbelangt. Das sieht man im Kleinen schon an der von Unsicherheit der Betroffenen geprägten, gerade erst begonnenen Diskussion um das nachhaltige Modellquartier Heinrich-Lübke-Siedlung in Praunheim, eines der Leitprojekte in unserer Denkschrift. Ich bin übrigens zuversichtlich, dass hier durch die zugesicherte Beteiligung die Bewohner rasch von den positiven Auswirkungen überzeugt sein werden. In unserer Diskussion geht es um nichts Geringeres als um die zentralen Aufgaben der Zukunftssicherung Frankfurts. Eine Einbeziehung der Bürger ist umso leichter zu verwirklichen, je näher die diskutierten Themen an der Lebenswelt und Lebenswirklichkeit der Menschen sind. Eine breite Beteiligung der Bürger wie auch der politische Diskurs legen es daher nahe, die unterschiedlichen Diskussionsstränge aus "Frankfurt für alle" getrennt zu verfolgen, wie zum Beispiel "Wohnstadt Frankfurt", "Nachhaltige Modell-Metropole" oder "Stadt- und umweltgerechte Mobilität".

Was ist also zu tun? Unstrittig ist: Frankfurt braucht einen Paradigmenwechsel im Stadtverkehr. Menschen müssen mehr und besseren Wohnraum in der Stadt finden. Wir benötigen ein Konzept für eine in allen Belangen umwelteffiziente und nachhaltige Stadt. Und das sind nur drei Beispiele. Deshalb wünsche ich mir für Frankfurt mehr Initiativen nach dem Muster des neuen Integrations- und Diversitätskonzepts, in denen Fachleute, Politiker, Verwaltung und Bürger sich gemeinsam einem Zukunftsthema widmen, vorhandene Gedanken und Strategien diskutieren und um neue Ideen und Sichtweisen ergänzen.

Aus einer Vielzahl solcher Prozesse schließlich könnten die umsetzungs- und mehrheitsfähigen Projekte hervorgehen, die Frankfurt in den nächsten zwei Dekaden lebenswerter, gesünder, wohlhabender, sicherer und - klüger - machen werden.

Albert Speer ist Stadtplaner und diskutiert mit Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg am Donnerstag , 19. November, von 20 Uhr an im Gallus-Theater, Kleyerstraße 15.

Autor:  Albert Speer
Datum:  14 | 11 | 2009
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