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07. März 2013

Gastbeitrag zum Internationalen Frauentag: Revolution im Verhältnis der Geschlechter

 Von Claudia Roth und Sigmar Gabriel
Der DGB fordert eine gesetzliche Frauenquote. Foto: Tobias Kleinschmidt/Archiv

Ein Entgeltgleichheitsgesetz wird mit dem Skandal aufräumen, dass Frauen im Schnitt 22 Prozent weniger verdienen als Männer. Ein Gastbeitrag zum Internationalen Frauentag.

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Das Thema Gleichstellung ist in aller Munde. Ob es um die gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit und die gleichen Karrierechancen für Frauen und Männer geht, die Gleichstellung von homosexuellen mit heterosexuellen Partnerschaften oder um das überfällige Ende sexistischen Verhaltens und überkommener Rollenbilder: Die Menschen nehmen es nicht mehr hin, dass noch immer Bedingungen und Strukturen existieren, die schlicht und einfach diskriminierend sind.

Gleichstellung bleibt ein Dauerthema – nicht nur am Internationalen Frauentag. Zu Recht wollen Frauen nicht mehr von Teilhabe ausgeschlossen oder respektlos behandelt werden. Das haben jüngst auch die vielen Frauen gezeigt, die mit einem Aufschrei klar den Alltagssexismus in unserer Gesellschaft angeprangert haben.

Doch während die Frauen in Deutschland ihre Rechte offen und laut einfordern, ist Schwarz-Gelb damit beschäftigt, auf europäischer Ebene eine Sperrminorität gegen die weichgespülte Frauenquote der EU-Kommission zu organisieren. Angela Merkel hat immer noch nicht verstanden, dass mit der Quote der Wirtschaftsstandort erheblich gestärkt werden könnte.

Ja, wir brauchen auch in Aufsichtsräten und Vorständen mehr Frauen. Männer-Bünde in den Chefetagen sind überholt, sie hemmen Innovationen. Und mehr Frauen in Führungspositionen sind das wirksamste Mittel gegen Sexismus im Arbeitsleben. Aber es geht um Gleichstellung in allen Bereichen. Es geht genauso um die Kassiererin, um die Krankenpflegerin und die Facharbeiterin in der Industrie. Sie alle haben mehr verdient. Wir benötigen immer wieder die öffentliche Debatte über Rollenbilder und darüber, wie wir miteinander umgehen, leben und arbeiten wollen.

Altersarmut ist Frauenarmut

Denn immer noch werden bei der gesellschaftlichen Arbeits- und Rollenaufteilung Frauen benachteiligt, allein weil sie Frauen sind. Noch immer müssen viele Frauen ihre Berufs- und Karrierewünsche zurückstellen, wenn sie Kinder haben. Noch immer bekommen Frauen für die gleiche Arbeit weniger Lohn als Männer. Und noch immer ist Altersarmut vor allem Frauenarmut. Es muss selbstverständlich werden, dass die Geschlechter gleichberechtigt, auf Augenhöhe und ohne von vornherein zugeschriebenes Machtverhältnis untereinander aushandeln, wie sie Arbeit, Kinderbetreuung, Pflege und Entscheidungsmacht aufteilen.

Gelungene Partnerschaften können Menschen nur selbst schaffen. Allerdings müssen die Wirtschaft und die Politik dafür auch die Bedingungen schaffen – durch gleichen Lohn für gleiche Arbeit, durch das Zurückdrängen von Minijobs, durch vielfältige Angebote zur Kinderbetreuung und durch ein faires Steuerrecht, um die eigenständige Existenzsicherung für Frauen zu erreichen. Frauen wollen heute nicht mehr den Zuschreibungen folgen, die ihnen von Staat, Medien, Vorgesetzten oder Lebenspartnern, aber auch von anderen Frauen angeheftet werden. Sie wollen selbst entscheiden, welche Aufgaben und Funktionen sie übernehmen. Das gilt übrigens zunehmend auch für Männer, die es leid sind, sich zwischen absurden Alternativen – „Macho“ oder „Weichling“ – entscheiden zu müssen.

Wir brauchen deshalb ein neues Verständnis der Geschlechter füreinander, unterstützt von Strukturen, die gleichberechtigte Partnerschaften ermöglichen. Dazu gehört auch: mehr Kitaplätze statt Betreuungsgeld und gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Wir kämpfen für eine Gleichstellungspolitik, die eine wirkliche Wahlfreiheit schafft und neue Antworten gibt auf die Frage: Wie wollen wir miteinander leben und umgehen? Dabei werden auch Männer Gewinner sein – Männer, die z.B. gern mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen, statt nur als Hauptverdiener am Rand zu stehen. Arbeit und Leben wieder besser miteinander verbinden zu können, Arbeitszeitflexibilität nicht nur im Interesse von Unternehmen, sondern auch im Interesse des eigenen und des partnerschaftlichen Lebens zu ermöglichen, nutzt allen.

Mehr Respekt für Privates

Der gesellschaftliche Wandel, der dafür nötig ist, wird unseren Alltag revolutionieren. Doch diese Revolution braucht viel Kraft und anhaltenden Einsatz. Deshalb geht es neben einer Quotenregelung auch um die vielen kleinen Schritte. Zum Beispiel: keine geschäftlichen Mails mehr am Wochenende und nach Feierabend, mehr Respekt für private Verpflichtungen. Wir werden neue Schritte gehen, sollten SPD und Grüne im Herbst gemeinsam die neue Bundesregierung bilden. Wir werden familienfreundliche Arbeitszeiten zu einem Thema machen und auch in Ministerien und Behörden umsetzen.

Vor allem werden wir ein Entgeltgleichheitsgesetz beschließen, das mit dem Skandal aufräumt, dass Frauen in Deutschland im Durchschnitt 22 Prozent weniger verdienen als Männer.

Klar ist: Wir brauchen eine Revolution im Verhältnis der Geschlechter untereinander und bei der Verbindung von Familie und Arbeitswelt – auch dafür treten wir als Grüne und SPD an.

Claudia Roth ist Co-Vorsitzende der Grünen, Sigmar Gabriel ist SPD-Vorsitzender.

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