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Porträt Sherkhan Farnood: Glückloser Glücksspieler

Sherkhan Farnood, 51, Chef der Kabul Bank, hat sich verzockt oder sich doch an zu mächtigen Gegnern versucht.

Wer Sherkhan Farnood bislang kannte, kannte ihn als Afghanistans besten Pokerspieler. Am 24. September 2008 gewann er in London eines der begehrten WSOP-Bracelets. Das ist die größte Auszeichnung, die ein Poker-Spieler gewinnen kann. Bei dem europäischen Turnier der World Series of Poker schaffte es Farnood zwar nur knapp ins Finale, doch er blieb am längsten sitzen. Schließlich schlug er seinen letzten Kontrahenten, den Australier Ivo Donev, mit zwei Achten und zwei Damen. Dafür durfte er das Preisgeld, 76999 britische Pfund, mit nach Hause nehmen, in das fünftärmste Land der Welt.

Seit Mittwoch kennt alle Welt Farnood wegen seiner dubiosen Geschäftspraktiken. Denn er ist kein hauptberuflicher Pokerspieler, wie er auch im Interview mit Poker News nach seinem größten Sieg zu Protokoll gab, sondern Geschäftsmann. Genauer: Banker. Seinen Job als Chef der größten afghanischen Privatbank, der Kabul Bank, aber hat er jetzt verloren, wie die Washington Post und die New York Times am Mittwoch übereinstimmend berichteten. Der Grund: Farnood hat angeblich 140 Millionen US-Dollar in mindestens 16 Luxusvillen in Dubai investiert. Nachdem dort die Immobilienblase 2008 geplatzt ist, verloren auch die Anlagen der Kabul Bank massiv an Wert – wenn auch vorerst nur auf dem Papier. Man könnte also sagen, Afghanistans bester Poker-Spieler hat sich in seiner Rolle als Afghanistans mächtigster Banker verzockt.

Seine Gegner waren in seinem großen Spiel zu mächtig. Denn offenbar haben die USA sich für Farnoods Entlassung eingesetzt, weil sie fürchten, die illegalen Geschäfte der Bank könnten das Land in eine Finanzkrise führen und noch wichtiger: Washington fordert seit Wochen von Afghanistans Präsident Hamid Karsai, die Korruption wirksam zu bekämpfen. So soll die Bank Politikern, Drogenhändlern und Talibankämpfern geholfen haben, Milliarden US-Dollar aus dem Land zu schaffen. Die 16 Luxusvillen in Dubai waren zwar alle auf seinen Namen eingetragen, wozu sie dienten, ist aber unklar. Doch Freunde und Verbündete quartierte er wohl öfter dort ein. Zuletzt wohnte etwa Mahmoud Karsai, Bruder des Präsidenten, in einer der Villen. Zudem interessierte sich Farnood bei seiner Kreditpolitik mehr dafür, wie einflussreich als wie solvent seine Schuldner waren. Daher droht nun auch ein Netz aus versteckten und mittlerweile faulen Krediten an afghanische Politiker die Bank in den Bankrott zu reißen. Bislang hat sich Farnood mit seinen guten politischen Kontakten geschützt − die Bank soll auch Karsais Wahlkampf großzügig unterstützt haben. Doch dabei hat er am Ende zu hoch gepokert.

Autor:  Andreas Kraft
Datum:  1 | 9 | 2010
Kommentare:  3
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